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Historie der Fanbetreuung

bei Fußball-Großveranstaltungen

Die internationale Vernetzung von Fanbotschaften und Fanorganisationen hat sich seit der Gründung von Football Supporters International (FSI) im Jahr 2000 stetig weiter entwickelt, heute firmiert sie unter Football Supporters Europe (FSE), wird durch die UEFA finanziell unterstützt und beschäftigt mehrere hauptamtliche Mitarbeiter*innen in ihrem Hamburger Büro. Für die Euro 2016 ist zudem ein weiterer Kollege in Paris als Koordinator des internationalen Fanbotschaftprojekts tätig. Bei der EM in Frankreich werden neben der deutschen Fanbotschaft auch weitere internationale Teams  im Einsatz sein.

Chronologischer Überblick der KOS-Fanbetreuung von 1990 bis 2014

1990: Weltmeisterschaft in Italien

Erstmals organisierte die BAG (Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte) eine konzertierte Fanbetreuung der Fanprojekte (unterstützt durch den DFB) für die reisenden deutschen Fans. Die Arbeit beschränkte sich jedoch in erster Linie auf Streetwork und die Beziehungsarbeit zu den aus den Heimatstandorten bekannten Fangruppen.

Besonderheiten des Turniers:
Auseinandersetzungen zwischen deutschen Hooligans und der italienischen Polizei auf der Mailänder Domplatte rund um das erste Spiel.
Aus England begleiteten 5.000 Fans ihre Mannschaft nach Italien.
Deutschland wurde durch ein 1:0 gegen Argentinien Weltmeister.

1992: Europameisterschaft in Schweden

Der DFB finanzierte auf der Grundlage eines durch die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte abgestimmten Konzeptes die Fanbetreuung für die deutschen Fans in Norrköping, Göteborg und Stockholm.

  • Erstmalige Einrichtung einer Fanbotschaft (Fankontaktbüro) in Norköpping
  • Fanzeitung zu jedem Spiel der deutschen Elf („Der Schwedenfahrer“ in Verantwortung des Frankfurter Fanprojektes)
  • Einrichtung eines Zeltlagers für die deutschen Fans in Norrköping durch die schwedischen Organisatoren

Auch die englische Fanorganisation Football Supporters Association (FSA) war in Schweden unterwegs, um die englischen Fans zu unterstützen. Die englischen Kollegen richteten eine mit der deutschen Initiative vergleichbare „Fans’ Embassy“ ein.

Besonderheiten:
Randale durch deutsche Hooligans im Umfeld des Gruppenspiels gegen die Niederlande.

Trotz sehr kleiner Stadien war es für deutsche Fans kein Problem an Karten zu kommen. Ca. 500 hielten sich durchgängig in Schweden auf.
Das DFB Kartenkontingent für das Endspiel ging jedoch nahezu ausschließlich an Reiseunternehmen in Deutschland. Öffentlichkeitswirksame Demonstration von deutschen Fans beim Abschlusstraining.
Das Endspiel gewann Dänemark mit 2:0 gegen Deutschland.

1994: Weltmeisterschaft in den USA

Aufgrund der Entfernung und der geringen Anzahl der in die Staaten reisenden Fans fand keine organisierte Fanbetreuung für die deutschen Fans statt. Einige Fanprojekte unternahmen Gruppenreisen mit ihren lokalen Bezugsgruppen. Zudem wurde im Vorfeld ein Fanguide hergestellt und unter den deutschen Fans verteilt.

Besonderheiten:
Schlechte Stimmung im deutschen Team. Stefan Effenberg zeigte den deutschen Fans den Mittelfinger und wurde von Bundestrainer Berti Vogts aus dem Kader geworfen.
Die deutsche Mannschaft schied im Viertelfinale gegen Bulgarien aus, Weltmeister wurde Brasilien im Elfmeterschießen gegen Italien.

1996: Europameisterschaft in England

Erstmals wurde mit der Football Supporters Association (FSA) eine Fan- bzw. fannahe Organisation in die Ausrichtung einer großen internationalen Meisterschaft verantwortlich eingebunden. Die FSA organisierte Fanbotschaften (Fans’ Embassies) in jedem Austragungsort, einen Fanguide in den Sprachen aller Teilnehmerländer sowie ein Fanturnier. Auf Empfehlung der FSA organisierten einige Städte ein kulturelles Rahmenprogramm und günstige Übernachtungsmöglichkeiten für jugendliche Fans.

Die 1993 eingerichtete KOS organisierte, wiederum finanziert durch den DFB, die Fanbetreuung für die deutschen Fans und nutzte die von der FSA zur Verfügung gestellten Möglichkeiten. Erstmals wurde in hoher Auflage ein Fanguide mit nützlichen Informationen für alle Englandreisenden produziert. Die EM in England war der Beginn der engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der englischen Partnerorganisation.

Besonderheiten:
Trotz aller Befürchtungen vor der Europameisterschaft im Vaterland des Fußballs, aber auch dem Mutterland des Hooliganismus, war die Euro geprägt von einer herausragenden Atmosphäre, die den Fußball in den Mittelpunkt stellte. Es gab keine gewaltträchtigen Vorfälle. Vor dem Halbfinale zwischen Deutschland und England fiel die englische Boulevardpresse massiv aus der Rolle, die die Stimmung durch eine äußerst aggressive, auf den 2. Weltkrieg sich beziehende Berichterstattung anheizte. Die Zuschauer ließen sich aber nicht aufhetzen.

Im Endspiel besiegte die Elf um Matthias Sammer die Tschechen mit 2:1.

1998: Weltmeisterschaft in Frankreich

Wiederum war die KOS verantwortlich für die Fanbetreuung der deutschen Fans in Frankreich. Diesmal akquirierte sie über Sponsoren zusätzliche Mittel zur mittlerweile schon etablierten DFB-Basisfinanzierung. Ein Team von Streetworkern aus den lokalen bundesweiten Fanprojekten bot ein dementsprechend großes Programm:

  • Anregung und Durchführung eines Fan- und Jugendaustauschs zwischen deutschen und französischen Fangruppen (in Kooperation mit dem Deutsch-Französischen Jugendwerk, DFJW)
  • Produktion eines umfangreichen Fanguides mit Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung
  • Mobile Fanbotschaft an jedem Spielort in Frankreich (ein auffälliger roter Doppeldeckerbus!)
  • Aktuelle und umfangreiche Fanzeitung („AlleZmagne“) zu jedem deutschen Spiel
  • Enger Austausch mit der englischen FSA, die ebenfalls mit einer mobilen Fanbotschaft vor Ort war
  • Nur England und Deutschland unterstützten ihre Fans durch eine Fanbetreuung, der französische Ausrichter der WM blieb passiv.

Besonderheiten:
Turnierorganisator und Chef des Organisationskomitees Michel Platini änderte den Austragungsmodus. Jede Mannschaft spielte nur einmal an einem Ort, was für alle Fans die Organisation ihrer jeweiligen „Tour de France“ bedeutete. Die WM 98 war zudem von großen Problemen bei der Kartenverteilung geprägt, da die Mehrheit der Karten durch das Organisationskomitee an Sponsoren und Verbände ging. Folge: Große Proteste der internationalen Fans.

An manchen Spielorten wurden für die überzähligen Fans erstmals „Public Viewing“-Veranstaltungen organisiert. Besondere Bedeutung erhielt die nationale Fanarbeit der KOS durch den Angriff deutscher Hooligans auf den französischen Polizisten Daniel Nivel. Über die vor Ort gemeinsam mit Fans produzierte Fanzeitung war es z. B. möglich, die Abscheu und den Protest der großen Mehrheit der deutschen Fans gegen diese Tat deutscher Hooligans zu artikulieren.

2000: Europameisterschaft in den Niederlanden und Belgien

Unter verantwortlicher Einbindung professioneller Fanbetreuungsorganisationen in den Niederlanden und Belgien stellten beide Ausrichterländer stationäre Fanbotschaften an allen Austragungsorten zur Verfügung. Die KOS organisierte mit Mitteln des DFB die Fanbetreuung für die Fans der Nationalmannschaft und nutzte vor Ort die zur Verfügung gestellten Möglichkeiten. Weil die Organisatoren in Belgien jedoch keinen Wert auf Gastfreundschaft, sondern ausschließlich auf Kontrollen, Einschränkungen und Polizei setzten, konnten die Maßnahmen der KOS sich nicht in dem Maße entfalten, wie es möglich gewesen wäre. Gemeinsam mit den Fanbeauftragten der Vereine wurde ein Fanguide erstellt sowie erstmals eine Website, die vor Ort mit aktuellen Infos bestückt wurde.

Besonderheiten:

Die internationalen Fans erlebten gänzlich unterschiedliche Aufenthaltsbedingungen in Belgien und den Niederlanden. Während in den Niederlanden den Fans mit Respekt und Gastfreundschaft begegnet wurde, setzte man in Belgien auf Repression. Am deutlichsten bekamen das die ca. 40.000 englischen Fans zu spüren. Während es in den Niederlanden zu einer Verhaftung (Trunkenheit) kam, wurden in Belgien mehr als 950 englische Fans festgenommen. Kein einziger wurde jedoch vor Gericht gestellt.

Das Spiel zwischen Deutschland und England in Charleroi stand unter einer riesigen, medial aufgeheizten, Erwartungshaltung in Bezug auf Auseinandersetzungen zwischen englischen und deutschen Fans. Ein kurzes Aufeinandertreffen auf dem zentralen Platz erfüllte dieses Bedürfnis. Der Bürgermeister von Charleroi berichtete hinterher von einer geborstenen Fensterscheibe.

Die deutsche Nationalmannschaft schied nach der Vorrunde aus.

2002: Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea

In Asien fand keine Fanbetreuung für die deutschen Fans statt. Die englischen KollegInnen von der mittlerweile umbenannten FSF (Football Supporters Federation) waren hingegen mit einer mobilen Fanbotschaft vor Ort und unterstützen weitere kulturelle Veranstaltungen für die ca. 25.000 englischen Fans.

Besonderheiten:

Während des gesamten Turniers gab es keine gewaltträchtigen Vorfälle.

Bei der ersten Fußballweltmeisterschaft in Asien wurde die deutsche Elf mit Torhüter Olli Kahn nur von ca. 1500 Fans begleitet. Im Finale unterlag sie der brasilianischen Elf mit 2:0

2004: Europameisterschaft in Portugal

Football Supporters International (FSI), der internationale Zusammenschluss von Fanexperten aus sieben Nationen, organisierte mit finanzieller Unterstützung durch die UEFA, die Fanbetreuung für die Fans der beteiligten Nationen. Jedes Team unterhielt eine mobile Fanbotschaft und produzierte einen spezifischen Fanguide für die jeweils eigene Fanszene. Über die Zusammenarbeit mit Football Against Racism in Europe (FARE) wurde ein gemeinsames antirassistisches Konzept umgesetzt. Die KOS, kofinanziert vom DFB, organisierte mit einem Team von Fanprojektler*innen die Fanbetreuung für die deutschen Fans. Zusätzlich zu Fanbotschaft und Fanguide wurde mit www.fanguide-em2004.de wiederum eine Internetseite mit tagesaktuellen Infos betrieben.

Besonderheiten:

Die portugiesischen Verantwortlichen schenkten der Fanbetreuung nur geringe Aufmerksamkeit, dennoch existierten für die internationale Fanbetreuung große Freiräume und es gelang sehr gut, das Angebot zentral in den Städten zu platzieren. Dies war zu großen Teilen der insgesamt sehr gastfreundlichen Atmosphäre im Land zu verdanken. Weil sich abzeichnete, dass viele Fans auch ohne die Aussicht auf Eintrittskarten nach Portugal reisen würden, gab es an allen Austragungsorten „Public Viewing“-Flächen.

Während des gesamten Turniers gab es keinerlei gewaltträchtige Vorfälle.

Die deutsche Elf schied schon nach der Vorrunde aus.

2006: Weltmeisterschaft in Deutschland

Die WM im eigenen Land bedeutete für die KOS eine ganz besondere Verantwortung in Sachen Fanbetreuung. Das wesentlich Neue und internationale Maßstäbe setzende hierbei war: Erstmals war man als Organisation für alle Gäste eines Fußballturniers zuständig und eben nicht nur für die des eigenen Landes. Die KOS hatte vom Organisationskomitee der FIFA in Deutschland (OK FIFA WM 2006) den Auftrag bekommen, ein breit und vielfältig angelegtes Fan- und Besucherbetreuungsprogramm zu entwickeln und umzusetzen.

Oberstes Ziel des groß angelegten Konzepts war es, gute Aufenthaltsbedingungen insbesondere für die ausländischen Fußballgäste in Deutschland zu schaffen. Im Mittelpunkt standen Service- und Informationsleistungen für die nationalen und internationalen Fans mit dem Ziel, die Atmosphäre bei der WM positiv zu beeinflussen. Ein 132-seitiger Fanguide und eine Website lieferten bereits im Vorfeld der WM wichtige Informationen, während die in jedem Austragungsort aufgebauten Fanbotschaften für Unterstützung und Service zuständig waren. Die insgesamt 17 Fanbotschaften, deren Betrieb durch den Einsatz von über 800 Volunteers sowie hauptamtlichen Kräften aus den Fanprojekten bzw. den Reihen der Fanbeauftragten ermöglicht wurde, wurden von einem internationalen Netzwerk von Fanexperten aus elf Nationen unterstützt, die mobile Fanbotschaften für die Fans ihrer Länder unterhielten. Abgerundet wurde das System durch die Kooperation mit FARE (Football Against Racism in Europe) bei der Umsetzung der antirassistischen Komponenten.

Die dabei gemachten Erfahrungen wertete das OK in einer umfassenden Evaluation aus und stellte sie zusätzlich mittels einer eigenen Dokumentation zukünftigen Fanbetreuungsmaßnahmen zur Verfügung. Die Broschüre steht auf der KOS-Website auf Englisch und Deutsch zum Download bereit.

Besonderheiten:

„Sommermärchen“ allerorten!

2008: Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz

Auch zur EM in den Nachbarländern war die deutsche Fanbetreuung in das bewährte Netzwerk internationaler Fanexpert/innen fest integriert. Im Auftrag der UEFA organisierte Football Supporters Europe (FSE) ein umfassendes internationales Fanbetreuungsprogramm. Zudem bestanden enge Kontakte zu den mit der Organisation der Fanbetreuung in den Austragungsländern Österreich und der Schweiz betrauten Personen bzw. Organisationen. Mit dem aus Portugal schon bekannten feuerroten Fanmobil war während des Turniers ein zehnköpfiges Streetwork-Team von KOS und Fanprojekten, gefördert vom DFB, in allen Austragungsstätten zu finden. Vor allem bei Ticket- und organisatorischen Fragen konnte umfangreiche Hilfe geleistet werden. Die Website zur Fanbetreuung setzte schon im Vorfeld beachtliche Maßstäbe. Ein gedruckter Fanguide gehörte ebenfalls in guter alter Tradition dazu.

Besonderheiten:

Ein Highlight der sehr ruhig und friedlich verlaufenden EM war aus Fanbetreuungssicht das Halbfinalspiel Deutschland – Türkei in Basel. Dort wurde gemeinsam mit den türkischen Kollegen eine gemeinsame Fanbotschaft organisiert, die auf ein sehr großes und positives Echo stieß. Auch zum Finale gab es, nun gemeinsam mit den spanischen Kollegen, eine internationale Fanbotschaft, um die verbindende Kraft des Fußballs zu unterstreichen. Diese Aktion war ebenfalls ein voller Erfolg.

Im Endspiel unterlag die deutsche Elf der überragenden spanischen Mannschaft mit 1:0.

2010: Weltmeisterschaft in Südafrika

Auch in Südafrika war ein KOS-Team vor Ort. Mit finanzieller Unterstützung und enger Abstimmung nicht nur mit dem DFB, sondern auch mit dessen Fanclub Nationalmannschaft, der von der Fananlaufstelle des DFB betreut wurde. Obwohl die logistischen Umstände sehr schwierig waren, ist es durch eine hervorragende und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Deutschen Botschaft in Pretoria gelungen, an allen Spielorten mit einer mobilen Fanbotschaft vor Ort vertreten zu sein. Hier haben sich die Fanbetreuungsexperten der Fanprojekte gemeinsam mit den erfahrenen konsularischen Kräften der Deutschen Botschaft um die Bedürfnisse der Fans gekümmert. Aus der Fanbotschaft wurde also in Südafrika in gewisser Weise eine Außenstelle der tatsächlichen diplomatischen Vertretung. Das Team der Fanbetreuung war zudem über eine telefonische Hotline für die Fans erreichbar, in Notfällen auch nahezu rund um die Uhr.

Unser siebenköpfiges Team hat neben der Beratung vor Ort in der Fanbotschaft auch das ambitionierte Ziel erreicht, zu jedem der sieben Spiele der deutschen Nationalmannschaft eine aktuelle Ausgabe des Fanmagazins „Helmut“ herauszugeben. Unter Sammlern hat dieses ansprechende Heft zwischenzeitlich schon einen Kultstatus erreicht.

Zur Information der deutschen Fans schon im Vorfeld des Turniers, aber auch aktualisiert während des Turniers ermöglichte die von der KOS verantwortete Webseite www.fanguide-wm2010.de eine stetige und umfassende Information für alle Interessierten.

Neben der deutschen gab es nur noch die durch die englische FSF organisierte Fanbetreuung für die Fans der englischen Nationalmannschaft.

Besonderheiten:

Trotz aller Bedenken im Vorfeld erlebten die Fans, die den Trip nach Südafrika wagten, gastfreundliche, sichere und sehr anregende Aufenthaltsbedingungen. Ein Höhepunkt aus der Sicht der Fanbetreuung war die Zusammenarbeit mit der FSF während des Viertelfinales Deutschland – England in Bloemfontain. An diesem Tag wurden beide Fanbotschaften durch den seinerzeitigen Bundesinnenminister Thomas de Maiziere besucht.
Nachdem die deutsche Elf im Halbfinale an Spanien gescheitert war, konnte durch ein 3:1 gegen Uruguay in Port Elizabeth der 3. Platz erreicht werden. Zu diesem Spiel beehrte der deutsche Bundespräsident Christian Wulff die Fanbotschaft mit seinem Besuch.

Ein Rückblick auf die deutsche Fanbetreuung während der WM in Südafrika liefert unsere Broschüre „Yes, Afri-can!“

2012: EURO in Polen und in der Ukraine

Mit der 14. Fußballeuropameisterschaft in der Ukraine und Polen, der ersten überhaupt in Osteuropa, ging eine internationale Fußballgroßveranstaltung zu Ende, bei der die vielfältigen Bemühungen um gastfreundliche Rahmenbedingungen zu einem großen Fußballfest beitrugen. Zehntausende Fans der teilnehmenden Mannschaften erlebten in beiden Ländern eine Bevölkerung, die die Europameisterschaft nicht ablehnte, sondern überwiegend stolz waren, Co-Gastgeber zu sein und die offen und neugierig auf die Gäste waren.

Die Fans aus Deutschland gehörten zu den reisefreudigsten aller teilnehmenden Nationen. Wir schätzten, dass bei den drei Vorrundenspielen der deutschen Elf in Lviv, Gdansk/Danzig und Warschau jeweils bis zu 15.000 Fans aus Deutschland anreisten.

Die nicht optimalen Rahmenbedingungen in der Ukraine in Bezug auf die Reisemöglichkeiten im Land und auch die Übernachtungskapazitäten betreffend wurden oftmals durch persönliche Eigeninitiative von Ukrainer/innen kompensiert. So fanden zum Beispiel viele Fans ohne Unterkunft sogar kostenlose Übernachtungsmöglichkeiten bei Privatfamilien, zu der dann meist noch eine intensive persönliche Betreuung kam.

Insgesamt begleitete ein zwölfköpfiges Fanbetreuungsteam das Turnier, und trotz der Reisestrapazen konnten wir aufgrund der durchweg positiven Resonanz von den mitgereisten Fans mehr als zufrieden sein. So entwickelte sich unsere Webseite www.fanguide-em2012.de in kürzester Zeit zum gefragten Informationsportal für Fans aus Deutschland, die eine Reise in die Ukraine planten. Noch nie wurde die von uns zur Verfügung gestellte Möglichkeit, direkt mit uns in Kontakt zu treten, so häufig genutzt, um individuelle Fragestellungen konkret zu beantworten.

Die mobile Fanbotschaft der KOS war wiederum an allen Austragungsorten die beliebte und hoffnungsvoll aufgesuchte Stelle, an die man sich mit seinen jeweils individuellen Fragestellungen wenden konnte.

Besonderheiten:

Die Fanbetreuung bei der Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine wurde insgesamt von FSE organisiert. Die Fanbotschaften waren eingebunden in das Social Responsibility Programm der UEFA „Respect Fan-Culture“. FSE gelang es, mobile Fanbotschaften aus 12 teilnehmenden Ländern (bis auf Griechenland und Portugal) zu organisieren, die „ihren“ Fans mit Rat und Tat zur Seite standen. Damit gab es bei der Euro das bisher umfassendste Fanbetreuungsprogramm aller Zeiten.

Aus sportlicher Sicht verlief das Turnier für die deutsche Mannschaft erfolgreich, auch wenn es zum erhofften Titelgewinn nicht ganz reichte. Die deutsche Elf scheiterte gegen Italien im Halbfinale.

2014: WM in Brasilien

Sportlich war die WM 2014 in Brasilien für die Fans der deutschen Nationalmannschaft ein absoluter Höhepunkt. Nach 24 Jahren Wartezeit erfüllte sich mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft für viele Fans ein lang ersehnter Traum.

Zum insgesamt elften Mal hat es eine solche Fanbetreuung für die reisenden Fans der deutschen Nationalmannschaft bei einem großen Fußballevent gegeben. Erstmals wurde die Fanbetreuung für die WM in Brasilien gemeinsam von KOS und DFB geplant und umgesetzt. Das Herzstück der Fanbetreuung waren – wie schon bei den vorausgegangenen Turnieren – die mobile Fanbotschaft vor Ort, der zu jedem Spiel in Brasilien produzierte und verteilte HELMUT und unsere bereits im Dezember 2013 gestartete Website www.fanguide-wm2014.de.  

Besonderheiten:

Das Turnier in Brasilien war jedoch nicht nur wegen des Titelgewinns etwas Besonderes, sondern auch wegen der logistischen Herausforderungen für Fans und Fanbetreuung, der umfangreichen und sehr erfolgreichen Kooperationen mit den Deutschen Auslandsvertretungen in Brasilien und den Rahmenbedingungen des Turniers im viel beschworenen Land des Fußballs, das im Jahr vor dem Turnier auch zum Land der Proteste wurde.  Das Fazit der Fanbetreuung fiel somit gemischt aus: Das Turnier fand in einem Land statt, das von starken politischen und sozialen Konflikten geprägt war – die trotz der weitgehend ausbleibenden Proteste auch für die WM-Gäste allein durch die massive Polizeipräsenz spürbar waren. Sorgen um die Sicherheit, Mängel in der Infrastruktur und die zunehmenden Restriktionen im Stadion durch die FIFA und die Organisatoren vor Ort sorgten für einige Sorgenfalten. Die große Gastfreundschaft und Improvisationskunst der Brasilianerinnen und Brasilianer hat jedoch vieles wettgemacht.

Sinnbildlich dafür stand neben den fairen und freundschaftlichen Begegnungen zwischen brasilianischen und deutschen Fans beim historischen 7:1 in Belo Horizonte auch das Achtelfinale in Porto Alegre: Dort entschied die Stadt in Abstimmung mit DFB und Fanbetreuung spontan, für die Fans eine improvisierte Party auf dem zentralen Mercado Publico, wo sich auch die Fanbotschaft befand, und einen Marsch zum Stadion mit Musikbegleitung zu organisieren. So zogen brasilianische und deutsche Fans vor dem Spiel gemeinsam durch die Straßen der Stadt, schwenkten Fahnen und Banner. Der friedliche und fröhliche Marsch war das beste Beispiel für die positiven Effekte der Fanbetreuung. Die Fans wurden als willkommene Gäste aufgenommen und verhielten sich so.

Die Broschüre KOSMOS 8 mit dem Titel „Die Copa aller Copas“ dokumentiert die Fanbetreuung bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien“ und steht hier zum Download bereit.

2016: Europameisterschaft in Frankreich

Für die zwölfte Auflage der Fanbetreuung der KOS ging es nur über eine Grenze ins Nachbarland Frankreich. Bei der EM 2016 erreichte die deutsche Nationalmannschaft das Halbfinale und schied dort in Marseille gegen den Gastgeber aus. Auch wegen der geografischen Nähe machten sich viele deutsche Fans – lange geplant oder spontan – auf, um das Team zu unterstützen.
Das Fanbetreuungsprogramm in den Ausrichterstädten vor Ort wurde von DFB und KOS organisiert und durchgeführt, erstmalig auch gemeinsam mit dem Fan Club Nationalmannschaft. Unterstützung erhielten wir zudem auch von den deutschen Auslandsvertretungen. Das Fanzine HELMUT und die Website fanguide-em2016.de waren ebenfalls wieder am Start. Das deutsche Fanbetreuungsprogramm war eingebunden in das interationale Netzwerk der Fanbotschaften, das von FSE, Football Supporters Europe, koordiniert wurde.

Das Turnier in Frankreich stand bereits lange vor Beginn unter dem Schatten drohender Anschläge, insbesondere weil mit den Angriffen von Paris im November 2015 der Fußball ebenfalls zum konkreten Anschlagsziel geworden war. Bei der EM selbst blieb in dieser Hinsicht alles ruhig, die hohen Sicherheitsvorkehrungen in den Städten riefen diesen Hintergrund allerdings immer wieder ins Gedächtnis. Insbesondere die ersten Turniertage waren dann jedoch nicht von diesem neuen Sicherheitsthema begleitet, sondern einem alten: gewalttätige Auftritte von Hooligans, teilweise mit rechtsextremer Gesinnung. Auch unter die deutschen Fans beim ersten Gruppenspiel in Lille mischte sich eine größere Gruppe, die mit rechtsextremen Symbolen posierte und ukrainische Anhänger attackierte. In Marseille kam es vor dem Spiel England gegen Russland zu heftigen Ausschreitungen, die französische Polizei wurde dabei im Nachhinein für ihre Einsatzstrategie hart kritisiert. Insgesamt ist aber auch für die EM 2016 zu bilanzieren, dass die Stimmung rund um die Spiele und in den Innenstädten in den allermeisten Fällen positiv und absolut friedlich war.

Besonderheiten:

Die Bedingungen für die Arbeit der Fanbotschaft in den französischen Spielorten waren sehr unterschiedlich, das galt ebenso für die Umsetzung etwa von Sicherheitsvorschriften in den Stadien. Einheitliche Regelungen blieben im zentralistischen Frankreich Mangelware. Das führte dazu, dass wir in Lille ausgezeichnete Voraussetzungen hatten, in Paris kurzfristig um grundlegende Dinge kämpfen mussten.

Positiv in Erinnerung bleiben wohl vielen – nicht nur deutschen – Fans die sogenannten Fan-Walks, also der gemeinsame Zug zum Stadion, der nach einigen Verhandlungen zumindest in manchen Spielorten realisiert werden konnte. Highlight bleibt dabei wohl der Fan-Walk mit deutschen und nordirischen Fans zum Spiel im Pariser Prinzenpark.

Die Broschüre KOSMOS 9 mit dem Titel „Vom Eiffelturm zum Atlantik“ dokumentiert die Fanbetreuung bei der Weltmeisterschaft 2016 in Frankreich“ und steht hier zum Download bereit.


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