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Weite Wege

Die Wege zwischen den WM-Städten werden großteils gewaltig sein. Zwischen dem westlichsten Spielort Kaliningrad und Jekaterinburg am Ural, wo Europa geografisch endet, liegen 2.500 Kilometer Luftlinie; zwischen Sankt Petersburg im Norden und Sotschi im Süden kurz vor dem Kaukasus sind es schlappe 2.000 Kilometer. Im Viereck Nischni Nowgorod-Kasan-Samara-Saransk hat man es etwas besser und nur Strecklein von 300 bis 530 Kilometer zurückzulegen. Russland, das Bonusmeilenparadies. Am authentischsten reist man übrigens mit der Bahn, am schnellsten mit dem Flugzeug, und wer per Auto kommt, ist selber schuld.

Die WM gastiert in insgesamt elf Städten mit zwölf Stadien, da in Moskau zwei Spielstätten genutzt werden. Dabei wird in so unterschiedlichen Metropolen gespielt wie Sankt Petersburg und Sotschi. Die Olympiastadt ist ein beinahe tropisches Ferienparadies am Schwarzen Meer, während im prachtvollen Piter, wie die Russen die ehemalige Hauptstadt am Finnischen Meerbusen nennen, in den Sommernächten die Sonne niemals untergeht, so nördlich ist man hier. Dann wäre da noch die tatarische Hauptstadt Kasan, die muslimisch geprägt ist und wie das Tor zum Orient wirkt. Und in Kaliningrad an der Ostsee, wo das kleinste WM-Stadion steht, finden sich heute noch viele Zeugnisse der deutschen Vergangenheit der Stadt – und das nicht nur wegen der Ulitsa Karla Marksa, der Karl-Marx-Straße.

Apropos Marx, ein Klischee stimmt dann doch wieder: Russische Städte, von der Ostsee bis zum Pazifik, erkennt man sofort als solche. Allein die Straßennamen gleichen sich oft wie eine Lenin-Statue der anderen. Die Namenspatronen, die immer dabei sind: Lenin, Puschkin, Gagarin, Schukow, ganz viel Oktober (wegen der November-Revolution von 1917, logisch) und eben Marx. Aber auch architektonisch und stadtplanerisch haben 70 meist graue Sowjetjahre ihre Spuren hinterlassen, die überall gleich aussehen. Gerät man unbewusst, etwa nachts oder im Wodkarausch, von einer Stadt in eine andere: Es würde einem im ersten Augenblick nicht groß auffallen. Und das ist so wahr, dass es darüber sogar einen russischen Kultfilm gibt. „Ironie des Schicksals“ aus dem Jahr 1975 läuft immer an Silvester in zwei Teilen im Fernsehen (die Youtube-Fassung hat übrigens englische Untertitel).


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