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Unterwegs im Land

Russland ist das größte Land der Welt und außerhalb der Städte das am dünnsten besiedelte. Und auch wenn die WM ausschließlich im europäischen Teil des Landes stattfinden wird, sind die Reisewege teilweise enorm. Das sollte euch jedoch nicht daran hindern, euch auf den Weg zu machen. Denn in Russland unterwegs sein bedeutet auch, dass Reisen sich hier noch richtig nach Reisen anfühlt und man Land und Leute hervorragend kennenlernen kann. Wie man das am besten genießen kann, erfahrt ihr hier.

Zeitzonen

Insgesamt gibt es in Russland elf Zeitzonen, die WM spielt sich jedoch nur innerhalb von vier Zeitzonen ab: Kaliningrader Zeit (identisch mit MESZ, also mitteleuropäischer Sommerzeit), Moskauer Zeit (MESZ+1), Samaraer Zeit (MESZ+2) und Jekaterinburger Zeit (MESZ+3). Der Großteil der WM-Spielorte liegt in der Moskauer Zeitzone, deren Abkürzung MSK (МСК) ihr euch merken solltet. Denn auch die Zugfahrpläne sind landesweit oft in MSK angegeben. Das kann zu einiger Verwirrung – und verpassten Zügen führen –, wenn man es nicht weiß.

Die Sommerzeit ist in ganz Russland seit 2014 wieder abgeschafft, vorher herrschte für dreieinhalb Jahre ausschließlich Sommerzeit. Wegen anhaltender Proteste kehrte man dann wieder zur Winterzeit zurück und hat gleichzeitig die temporäre Umstellung auf Sommerzeit ganz abgeschafft. Ganz oder gar nicht also, halbe Sachen mag man in Russland nicht so.

Fan-ID

Wer eines oder mehrere WM-Spiele besucht und dafür ein Ticket kauft, muss dazu auch die obligatorische Fan-ID beantragen. Diese hat ihre Vorteile: Denn damit könnt ihr ohne Visum nach Russland einreisen – und das im Zeitraum von zehn Tagen vor bis zehn Tage nach Turnierbeginn und zudem gratis bestimmte Sonderzüge zwischen den Spielorten benutzen. Wer kein WM-Ticket hat, braucht zur Einreise dringend ein Visum und sollte sich zeitig darum kümmern. Mehr zur Fan-ID lest ihr hier, Informationen zum Visum gibt es bei der Russischen Botschaft.

Unterwegs mit der Bahn

Die Bahn ist zumindest im europäischen Russland gut ausgebaut, bequem und relativ preiswert. Zudem ist die Fahrt mit der RŽD (РЖД) die authentischste Art, durch Russland zu reisen. Das Ticketsystem ist einfach und verständlich, Fahrscheine könnt ihr online buchen und ausdrucken oder direkt am Bahnhof erstehen. Vorsicht: Zumeist sind die Fahrpläne der (Langstrecken-)Verbindungen in Moskauer Zeit (MSK) und nicht unbedingt in Ortszeit angegeben. Auf den meisten Strecken fahren Züge mit Schlafplätzen, da viele Menschen die Bahn auch über große Entfernungen nutzen. Die Website der Russischen Bahn gibt es auch auf Englisch: www.eng.rzd.ru.

Zur WM verkehren zwischen den Spielorten Sonderverbindungen, die mit der Fan-ID kostenfrei genutzt werden können. Mehr dazu in unserer Rubrik Fan-ID.

Tipp:

In vielen russischen Zügen kann man sich bei den Zugbegleitern heißes Wasser aus dem Samowar für seinen Tee holen. Oft nutzen die Menschen die langen Reisen zum ausführlichen Picknicken und Klönen. Sollte man mal mitgemacht haben.

Unterwegs mit dem Flugzeug

Die frühere Sowjetunion – noch deutlich größer als die heutige Russische Föderation – galt als das Land mit dem engsten Verkehrsflugnetz der Welt. Das ist heute nicht mehr so. Dennoch bietet sich das Fliegen einfach an, wenn man die zur WM zu überbrückenden Entfernungen bedenkt. Das Netz der Flugverbindungen ist weiterhin eng. Neben dem ökologischen Aspekt ist das Fliegen jedoch auch preislich nicht besonders günstig. Zwischen Luxus bei Aeroflot und der Holzklasse beim Billigflieger Pobeda („Sieg“) findet man aber etwas für jeden Geschmack. Nicht in jeder Stadt dürft ihr am Flughafen damit rechnen, dass englischsprachige Informationen vorhanden oder englischsprachige Mitarbeiter am Start sind – so zumindest außerhalb der WM, während des Turniers werden vermutlich auch in Russland zahlreiche Volunteers in den Städten unterwegs sein. Von den Flughäfen verkehren Busse und manchmal, etwa in Moskau, auch Züge in die Stadt. Das Taxi ist an Flughäfen zuweilen völlig überteuert. Hier sollte man handeln oder einen Taxidienst zu festen Preisen bestellen.

Unterwegs mit dem Bus

Zwischen Moskau und den WM-Städten, oft auch untereinander, bestehen Fernbusverbindungen. Diese sind zumeist preiswert, jedoch müsst ihr mit langen Fahrtzeiten rechnen. Informationen und Tickets gibt es hier: www.aviatrans.ru/bus

Unterwegs mit dem Auto

Lasst das Auto zu Hause. Der Weg nach Russland ist weit und beschwerlich, auch weil man beispielsweise durch Belarus fahren müsste, was zusätzliche Hürden bei der Einreise mit sich bringt. Hinzu kommen erweiterte Bestimmungen, wenn ihr mit dem Auto die Grenze überquert. Mehr dazu in den Hinweisen für PkW-Reisende auf der Infoseite des Auswärtigen Amtes. Außerdem ist der Zustand vieler Straßen außerhalb der Stadtzentren und auf Überlandverbindungen unberechenbar. In russischen Großstädten sind Staus an der Tagesordnung, und das Fahrverhalten entspricht nicht immer deutschen Gewohnheiten. Deswegen: Lasst das Auto zu Hause.

Unterwegs auf dem Wasser

Sankt Petersburg und Kaliningrad liegen an der Ostsee, Sotschi am Schwarzen Meer, die Städte sind daher auch mit dem Schiff zu erreichen. Nach Sankt Petersburg gibt es Fähren von Helsinki, Stockholm oder Tallinn, nach Kaliningrad ist es allerdings ziemlich kompliziert: von Kiel oder Sassnitz nach Klaipeda in Litauen und dann über eine weitere Fähre auf die Kurische Nehrung – dann weiter per Auto, Fahrrad oder Taxi. Eine andere Fähre fährt aus Danzig nach Baltijsk bei Kaliningrad. Nach Sotschi kommt ihr auf dem Wasser aus Trabzon in der Türkei. Innerrussisch bestehen zwischen manchen Städten an großen Flüssen (Schnell-)Bootlinien. Insgesamt: eine etwas romantischere Art der Anreise, allerdings nicht allzu zügig. An den Einreisebedingungen ändert sich nichts, egal ob ihr per Flugzeug, Bahn oder Schiff kommt. Ihr müsst eine Fan-ID oder eben ein Visum in der Hand haben.

Unterwegs in den Städten

Mit dem Taxi: In der Provinz ist das Taxifahren eine erstaunlich günstige Angelegenheit. In Moskau und Sankt Petersburg sowie bei Fahrten vom Flughafen hingegen kann es schnell teuer werden. Allgemein empfiehlt es sich, einen örtlichen Taxiruf zu kennen oder Taxi-Apps wie etwa „Yandex Taxi“ zu nutzen, weil dort Festpreise vor Fahrtantritt bekannt sind.

Mit dem Bus und Obus (Trolleybus) und der Straßenbahn: In praktisch allen russischen Städten gibt es mehr oder weniger gut ausgebaute Bus-, Oberleitungsbus- und Straßenbahnlinien, deren Fahrpreise oft günstig sind. Staus können sie aber auch nicht ausweichen. Trotzdem sind sie die beste und oft einzige Option.

Mit der Metro: Die Moskauer Metro ist ein kleines Weltwunder und ihr solltet sie unbedingt benutzen, wenn ihr dort seid. Zumal es eigentlich die einzige Möglichkeit ist, in der Riesenmetropole innerhalb einer akzeptablen Zeit von A nach B zu kommen. Ähnliches gilt für Sankt Petersburg. Metros gibt es zudem in Jekaterinburg, Kasan, Nischni Nowgorod und Samara, wobei es sich dort um stets nur sehr wenige Linien bzw. Stationen handelt.

Mit der Marschrutka: Wer zur EM 2012 in der Ukraine war, kennt die Marschrutka-Kleinbusse. In manchen russischen Städten wurden sie abgeschafft, weil sie die Straßen und regulären Bushaltestellen verstopfen. Dabei bildeten die Marschrutkas lange, und in vielen Städten bis heute, das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs. Das sind private Kleinbusse mit festen Linienverläufen. Man winkt sie zu sich heran, reicht dem Fahrer seinen Obulus nach vorn und muss rufen, wenn man aussteigen will. Oft wird der Verkehr in Vororte und das Umland von Städten mit ihnen bewältigt. Für Orts- und Russischunkundige ist das aber eine eher abenteuerliche Sache. Daher: Machen! Allerdings vielleicht nicht gerade, wenn ihr in Zeitnot seid.
[dg]


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