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Kreml, Kirchen, Wolkenkratzer

Reisende können in Moskau an einem von drei internationalen Flughäfen, einer Hand voll Bahnhöfe oder – wer weiß – per Boot auf der Moskwa eintreffen. Daran merkt ihr schon, dass wir hier von einer ziemlich großen Stadt reden. Und einer mit einer langen Geschichte, Moskau wurde im 12. Jahrhundert gegründet und ist seitdem mehrfach aufgebaut, niedergebrannt, erobert und neu aufgebaut worden.

Die Stadt ist heute das politische, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Russlands. Aber das war nicht immer so. Im 15. Jahrhundert nach dem Sieg gegen die Mongolen und Tataren wurde Moskau Hauptstadt des russischen Reiches, in dieser Zeit entstand ein wesentlicher und bis heute erhaltener Teil des Kreml – als Befestigungsanlage und Regierungssitz. 1712 verlegte Zar Peter der Große die Hauptstadt jedoch in das neu gegründete und nach ihm benannte Sankt Petersburg. Ein Jahrhundert später stand Moskau in Flammen: Nach der Eroberung durch Napoleon zündeten zahlreiche Bewohner ihre Häuser an und verließen die Stadt. Militärstrategisch clever, denn so war die Versorgung der französischen Truppen nicht möglich, sie zogen sich zurück. Allerdings musste ein großer Teil der Stadt erst einmal wieder aufgebaut werden. Ein weiteres Jahrhundert später erhielt Moskau seinen Hauptstadtstatus zurück und der Kreml neue Bewohner, als nach der Revolution die Bolschewisten einzogen.

Unter Josef Stalin fand in den 1930ern eine massive städtebauliche Erneuerung Moskaus – einschließlich des Abrisses historischer Teile – statt, in dieser Zeit entstand auch die Metro. Der Zweite Weltkrieg brachte erneut große Zerstörung. Die Stadt wurde allerdings nicht erobert, die deutsche Wehrmacht unterlag in der Schlacht um Moskau, allerdings mit enormen Verlusten vor allem aufseiten der Roten Armee. Nach dem Krieg begann der Wiederaufbau, diesmal erhielt die Silhouette Moskaus zusätzlich neue Wolkenkratzer. Die Stadt wuchs stetig, immer neue Wohnflächen wurden erschlossen. Mit 12 Millionen Einwohnern ist Moskau heute die größte Stadt in Europa – zumindest wenn man in Istanbul den asiatischen Teil weglässt. Nach dem Ende der Sowjetunion erlebte die Metropole einen großen Zuzug aus den ehemaligen Sowjetrepubliken. Es war und ist eine multiethnische und vielfältige Stadt, dafür braucht es die WM-Gäste nicht einmal. Wie sehr das Turnier den Rhythmus und das Erscheinungsbild Moskaus verändern wird, bleibt abzuwarten.

Unterwegs in Moskau

  • Wie erschließt man sich nun eine knapp 900 Jahre alte Millionenmetropole? Fangt am Roten Platz an – dort habt ihr viele Moskauer Facetten vom Zarenreich, Sowjetunion, orthodoxen Kirchen bis zum heutigen Alltagsleben in einem. Der Kreml ist von hier zu Fuß erreichbar, dort lässt sich ohnehin ein ganzer Tag zwischen Kirchen, Palästen und Museen verbringen. Er ist heute auch der Amtssitz des russischen Präsidenten Wladimir Putin, die Regierungsräume sind allerdings nicht öffentlich zugänglich. Anschauen könnt ihr euch hingegen das Ergebnis schief gegangener Pläne früherer Herrscher: die von Kaiserin Anna und Zar Alexej im 18. Jahrhundert in Auftrag gegebene Zarenglocke. Sechs Meter hoch, ging kaputt, als während der Fertigung ein Feuer ausbrach und war wegen ihrer Größe und Konstruktion nie zum Läuten geeignet.
  • Nicht weit vom Roten Platz entfernt und auf den ersten Blick viel gegenwärtiger als Museen und Paläste, nämlich der Warenwirtschaft und dem Shoppen verbunden, liegt das berühmteste Kaufhaus Russlands, das GUM. Tatsächlich aber ist auch das Einkaufen hier historisch, an diesem Ort wurde schon im Mittelalter gehandelt. Heute beherbergt das GUM auf drei Etagen rund 200 Läden, zu einem großen Teil eher teuer. Ein Besuch lohnt sich aber auch, um die Architektur des 19. Jahrhunderts zu bestaunen oder einfach einen Kaffee zu trinken.
  • Die erste Fußgängerzone Moskaus war die Uliza Arbat oder kurz: der Arbat. Die Straße existierte schon im 15. Jahrhundert, hier stehen viele historische Bauten, es gibt zahlreiche Läden und Cafés. Im 18. Jahrhundert war der Arbat der Wohnsitz zahlreicher Adelsfamilien, ein Jahrhundert später wandelte sich die Gegend zum Künstler- und Akademikerviertel. Das hängt durchaus zusammen, denn viele Schriftsteller, Maler, Musiker Russlands stammten aus – teils verarmten – Adelsfamilien. Zum Flanieren am Tag und Ausgehen am Abend eignen sich der Arbat und seine Umgebung auch heute noch.
  • Die Moskauer Metro ist ein Erbe der Stalin-Zeit, aber ein gutes. In Zahlen: 13 Linien, über 200 Stationen und mehr als zwei Milliarden Fahrgäste jährlich. Sie wurde 1935 zunächst mit zwei Linien eröffnet und vor allem in den 1950ern weiter ausgebaut. Die Metro ist aber nicht nur der beste Weg, um die Entfernungen in der Großstadt Moskau zurückzulegen, sondern wegen der teils opulent gestalteten Stationen – Stichwort unterirdische Paläste – auch eine Sehenswürdigkeit für sich. Die Stationen Komsomolskaja, Majakowskaja und Arbatskaja gehören zu den schönsten des Metronetzes.
  • Bisher hat es vermutlich nicht so geklungen, aber tatsächlich ist Moskau nicht nur eine Stadt aus Stein, sondern auch aus Grün. Zahlreiche Parkanlagen durchziehen die Stadt. Der Botanische Garten im Norden gehört zu den größten überhaupt und bietet viel Natur in der Metropole. Zentraler gelegen, nämlich praktisch neben dem Kreml, sind die Alexandergärten. Dort könnt ihr zwischen Sightseeinghopping oder vor dem Anpfiff kurz Luft schnappen.

Fanfest

In einer weiteren Moskauer Parkanlage, nämlich den Sperlingsbergen im Westen der Stadt am Ufer der Moskwa, wird es während der WM wohl etwas lauter und lebhafter zugehen als sonst. Hier wird auf dem Gelände der Lomonossow-Universität nämlich das offizielle Fanfest eingerichtet. Das Hauptgebäude der Universität ist eine der Sieben Schwestern. Das klingt nach den Brüdern Grimm, ist aber tatsächlich Genosse Stalin. Das Gebäude ist nämlich einer der Wolkenkratzer im realsozialistischen Zuckerbäcker-Stil, der in den 1950er-Jahren entstand, als Moskau modernisiert wurde.
Die Studierenden der Universität sind vom Fest vor ihrer Hörsaaltür übrigens nicht richtig begeistert, viele von ihnen leben nämlich auch auf dem Campus und erwarten sich – vermutlich nicht zu Unrecht – eine erhebliche Lärmbelästigung während der Semesterwochen, in denen ihre Prüfungen anstehen.


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