\ Start \ Spielorte \ Samara

Raketentechnik an der Wolga

Nicht alle werden den Namen Samara vor dieser Weltmeisterschaft schon gehört haben. Anders als Sotschi und Moskau gehört die Stadt an der Wolga zu den weniger bekannten Spielorten. Die deutsche Mannschaft könnte hier jedoch, je nach Ausgang der Vorrunde, ein Viertel- oder ein Achtelfinalspiel bestreiten.

Exil für Ballett und Regierung

„Stadt an der Wolga“ – das sagt erst einmal nicht so viel, immerhin ist die Wolga mit rund 3.500 Kilometer der längste Fluss Europas und schlängelt sich fast durch den gesamten europäischen Teil Russlands. Also präziser: Samara liegt im Südosten des europäischen Russlands, dort, wo die Wolga einen eleganten Bogen macht. Sie wurde im 14. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, diente lange als Befestigung am Fluss und dann auch als Handelszentrum. Weizenanbau und später Getreideverarbeitung wurden zentrale Industrien.

In den 1920er- und 1930er-Jahren nahm die Industrialisierung richtig Fahrt auf. Zu dieser Zeit bekam Samara auch einen neuen Namen: 1935 wurde sie in Kuibyschew umbenannt, nach dem Parteifunktionär Walerian Kuibyschew. Sechs Jahre später rückte Samara bzw. eben Kuibyschew ins Zentrum der Weltpolitik und -kultur. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion wurden Teile der Regierung und Militärverwaltung, Industriebetriebe sowie das Ensemble des Bolschoi-Theaters dorthin verlegt. Die durchaus empfehlenswerte Website des russischen WM-Organisationskomitees skizziert einen Spaziergang entlang der Gebäude, in denen damals Regierungsmitglieder, Künstler usw. untergebracht waren. So wurde in Samara die Leningrader Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch uraufgeführt, der Komponist lebte nach 1941 ebenfalls hier.

Nach dem Krieg entwickelte sich die Stadt zum Zentrum der sowjetischen Luft- und Raumfahrtindustrie und mit mehreren Hochschulen und Universitäten auch zum einem wichtigen Wissenschaftsstandort. Für Besucherinnen und Besucher aus dem Westen war Kuibyschew wegen der vermeintlich sensiblen Hochtechnologie bis zum Zerfall der Sowjetunion praktisch nicht zugänglich. 1991 erhielt die Stadt den Namen Samara zurück, ihre wirtschaftliche Bedeutung konnte sie weitgehend bewahren. Auch die Bevölkerungszahlen gingen nur leicht zurück. Wenn ihr mit der Bahn anreist, landet ihr direkt in einem der neuesten und spektakulärsten Bauwerke der Stadt: dem 2001 gebauten Bahnhof. In 101 Meter Höhe gibt es dort eine Aussichtsplattform mit Blick über die Stadt.

Unterwegs in Samara

  • Die Wolga ist eine Sehenswürdigkeit für sich. In der Stadt selbst lässt sie sich an der Uferpromenade genießen. Von dort könnt ihr auf die gegenüberliegenden Shiguli-Berge sehen. Das gleichnamige Naturschutzgebiet ist auch ein schönes Ausflugsziel für Wanderungen.
  • Das klassische Selfie-Motiv in Samara ist eine 68 Meter hohe Sojus-Rakete. Der Raketentyp wird seit den 1950er-Jahren im Weltraumzentraum Samara gebaut. Im April 1961 startete Juri Gagarin in einer Sojus als erster Mensch ins All.
  • Josef Stalin hat ihn nie benutzt, aber heute ist der 1942 entstandene Stalin-Bunker eine der Attraktionen Samaras. Er liegt 37 Meter tief in der Erde, beherbergt unter anderem einen großen Sitzungssaal und ist zumindest teilweise öffentlich zugänglich.

Fanfest

Für das Fanfest wird in Samara groß gedacht, es findet auf dem zentral gelegenen Kuibyschew-Platz statt, der mit 17,4 Hektar zu den größten Europas gehört. Hier liegt auch das beeindruckende Gebäude der Oper, die auch ohne Bolschoi-Ensemble russlandweit bekannt ist.


Zur Startseite Symbol .