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An der russischen Riviera

Der deutschen Nationalmannschaft ging es wie so vielen Russen und Russinnen vor ihnen: Sie waren gern in Sotschi und werden wiederkommen. Das Team hatte während des Confed-Cups seine Basis in der Stadt am Schwarzen Meer und hätte sich fast wieder für ein Quartier in Sotschi entschieden. Sotschi ist einer der beliebtesten Urlaubsorte in Russland – und war es auch schon in der Sowjetunion. Der Kurort mit Palmen, Zitronenbäumen und schwarzem Sand mit den Bergen des Westkaukasus im Hintergrund ist etwas Besonderes.

Fort, Dorf, Kurort und Olympiastadt

Verglichen mit Moskau und Kasan ist Sotschi eine junge Stadt. Sie wurde 1838 gegründet und zwar zunächst als Fort im Kaukasuskrieg. Da müssen wir etwas ausholen – die Region um Sotschi mit dem Zugang zum Schwarzen Meer gehört einige Jahrhunderte zum Königreich Georgien, bevor im 15. Jahrhundert das Osmanische Reich diesen Teil der Küste eroberte. In den folgenden Jahrzehnten bzw. sogar Jahrhunderten traten die hier ansässigen Kaukasusvölker der Ubychen und Tscherkessen zum Islam über. Sie wehrten sich, als das Gebiet im 19. Jahrhundert an das Russische Reich fiel, es kam zum Kaukasuskrieg, der von 1817 bis 1864 dauerte. Nach dessen Ende kam es zu Umsiedlungen und Vertreibungen der einheimischen Bevölkerung, unter denen vor allem die Tscherkessen litten. In der dann dünn besiedelten Region wurden dann wiederum besitzlose Bauern aus anderen Teilen des Kaiserreichs angesiedelt. Sotschi war damals ein Dorf. Das Wachstum begann um die Wende zum 20. Jahrhundert mit der Nutzung der Heilquellen und dem Bau von Hotels.

In der Sowjetunion entwickelte Sotschi sich endgültig zum beliebten Badeort und place to be – auch für den aus Georgien stammenden Josef Stalin. Er ließ sich hier eine Datscha errichten, die noch heute steht und als Residenz des russischen Präsidenten dient. Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde hier von Wladimir Putin ebenso empfangen wie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan – nicht gemeinsam, versteht sich. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Kureinrichtungen von Sotschi umfunktioniert, die Stadt wurde ein großes Lazarett für die Verwundeten der Roten Armee. Nach dem Krieg ging es als Tourismus- und Kurort insbesondere für Lungenkranke weiter. Nach dem Ende der Sowjetunion stiegen die Preise, doch Sotschi ist noch immer ein beliebtes Reiseziel in Russland.

Angesichts der Geschichte der Stadt und ihrer subtropischen Vegetation lag es nicht unbedingt auf der Hand, in Sotschi Olympische Winterspiele auszutragen. Aber so war es. Für die Austragung der Spiele von 2014 setzte ein riesiger Bauboom rund um Sotschi ein, 30 Milliarden Euro sollen die Infrastrukturprojekte gekostet haben, der allergrößte Teil wurde vom Staat finanziert. Etwa 30 Kilometer vom Zentrum Sotschis entfernt entstanden am Schwarzen Meer mehrere Eishallen für Olympia sowie das 2013 fertiggestellte Stadion für Eröffnung- und Schlussfeier. Es wurde für den Confed-Cup und wird nun für die WM genutzt. Ab und an schaut die Nationalmannschaft vorbei, aber einen lokalen Fußballverein, der dort spielen könnte, gibt es nicht.

Unterwegs in Sotschi

  • Die Olympia-Bauaktivitäten haben auch in Sotschi selbst Spuren hinterlassen, es sind einige modernen Gebäude entstanden, Fassaden renoviert und auch der Nahverkehr verbessert worden. An der Uferpromenade herrscht im Sommer reger Trubel, andererseits lässt es sich hier unter Palmen flanieren. Einige historische Gebäude aus der Zeit als sowjetischer Kurort sind im Zentrum noch zu bewundern, so etwa der prunkvolle Hauptbahnhof aus den 1950er-Jahren. Wenn euch nach Party und Baden zumute ist, empfehlen wir den Stadtteil Dagomys, etwa fünf Kilometer nordwestlich vom Zentrum an der Küste. In der Nähe liegt auch Putins Datscha, viele andere Unterkünfte – oft auch Ferienwohnungen – sind hier ebenfalls zu finden.
  • Etwa 100 Jahre alt ist der Riviera-Park am Flussufer. Hier wächst und blüht allerlei, von Bambus über Jasmin bis zu Bananenpalmen. Besonders bekannt sind die Magnolienbäume: Den ersten soll Kosmonaut Juri Gagarin persönlich gepflanzt haben. Der Park beherbergt neben Cafés und Konzertbühnen außerdem noch Karussells, Geisterbahn und Spiegellabyrinthe.
  • Die Berge des Kaukasus sind von Sotschi aus zu sehen, ihr könnt sie auch näher erkunden und, falls ihr die Zeit dafür habt, das unbedingt tun. Dafür bieten sich Ausflüge in das Kaukasus-Naturreservat nordöstlich der Stadt an und nach Krasnaja Poljana, wo viele der Outdoor-Wettkämpfe der Olympischen Spiele stattfanden. Im Sommer ist die Gegend ein praktisch schon alpines Wandergebiet.

Fanfest

Das Fanfest in Sotschi befindet sich – anders als das Stadion – in zentraler Lage am Hafen. Das Hafengebäude, das ausschaut wie ein Palast, gehört ohnehin zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Der Veranstaltungsort hat schon Erfahrung im Public Viewing gesammelt, hier wurden Spiele der WM in Brasilien öffentlich übertragen.


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