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Deutsch-russische Fußballwoche

Fußball ist mehr als Sport – mit dieser Überzeugung nutzt der DFB schon seit Längerem die großen Turniere für gesellschaftspolitische Veranstaltungen. Während der deutsch-russischen Fußballwoche Anfang Mai besuchte eine DFB-Delegation um Präsident Reinhard Grindel Gedenkstätten im ehemaligen Stalingrad. Zudem fanden ein U18-Freundschaftsspiel und eine Fanbegegnung in Moskau statt.

Die Zusammenkunft zwischen russischen und deutschen Fanvertreter*innen fand zwar nicht standesgemäß im Stadion statt, aber immerhin in der Moskauer Zentrale des Russischen Fußballverbandes. Anton Zakharow von der Premjer Liga traf – auf Englisch – den Ton für die Begegnung im Rahmen der deutsch-russischen Fußballwoche. „Wir sprechen eine Sprache“, sagte er. Nicht ganz 40 Tage sind es noch bis zum Anpfiff der WM, und wie inzwischen Tradition bei den großen Turnieren begleitet der DFB auch die WM in Russland mit einem gesellschaftlichen Rahmenprogramm. Zur DFB-Delegation gehören neben Präsident Reinhard Grindel auch DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch, Vize-Generalsekretär Ralf Köttker und Björn Fecker, der die Kommission „Gesellschaftliche Verantwortung“ leitet. Am Sonntag waren sie bei einem Treffen mit der Ständigen Gesandten in Moskau, Beate Grzeski, über die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage im WM-Gastgeberland informiert worden. Am Montag stand nun der Fandialog auf dem Programm. Den russischen Fußball repräsentierten Alexander Smertin, Fanbeauftragter des LOC, Elena Erkina, die für die Fanbotschaften während der WM verantwortlich ist, Robert Ustian, Fan von ZSKA Moskau und Gründer der dortigen Antirassismusinitiative, Anton Zakharow und Ivan Kuznetsow, Fanbeauftragter beim neuen russischen Meister Lokomotive Moskau. Gemeinsam mit dem DFB waren KOS-Leiter Michael Gabriel, Ronan Evain und Martin Endemann von „Football Supporters Europe“, Patrick Arnold von der LAG Fanprojekte NRW, Thomas Roeder, Regionalbetreuer des Fan Clubs Nationalmannschaft, sowie der Soziologe und Fanforscher Prof. Dr. Gunter A. Pilz in Russland dabei.

Die Gespräche drehten sich um Themen der WM, die für Fans in Russland wie jene, die aus dem Ausland anreisen, wichtig sind. So wies Reinhard Grindel auf die wichtige Rolle der Fanbotschaften hin – und darauf, dass die Zeit langsam dränge, die Standorte für die mobile deutsche Fanbotschaft in Moskau, Sotschi und Kasan zu definieren. Michael Gabriel von der KOS und Elene Erkina von der russischen Fanbotschaft unterstrichen beide den Nutzen dieser Begegnungsorte. „Neben all den Informationen, die man hier bekommt, können Fans aus aller Herren Länder jenseits der politischen Konflikte über die gemeinsame Leidenschaft Fußball direkt miteinander in Kontakt kommen. Das hat gerade in heutigen Zeiten eine große Bedeutung“, sagte Michael Gabriel.

Für das dominierende Thema Sicherheit fand Reinhard Grindel Worte: „Wir haben aufgrund der terroristischen Bedrohungen Verständnis für die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen. Gleichzeitig aber muss gewährleistet bleiben, dass unsere Fans rechtzeitig ins Stadion und damit zum Spiel kommen. Ich werbe für eine gewisse verantwortbare Balance von Sicherheit und Gelassenheit.“ Die Fanvertreter*innen aus Russland berichteten jedoch auch über die Situation im russischen Ligaalltag und die Arbeit der Fanbeauftragten. Die jüngst beschlossene Einführung einer personalisierten Fan-Karte, so viel wurde deutlich, trifft unter den russischen auf wenig Zustimmung. Martin Endemann von FSE wies auf die negativen Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern wie Italien und der Türkei hin, wo die Einführung dieser Systeme nicht zu mehr Sicherheit, jedoch zu einem Zuschauerrückgang beigetragen hat.

Gemeinsames Gedenken

Einigkeit herrschte in der Runde darüber, dass die WM den reisenden Fans die Chance bietet, Russland und seine Menschen selbst kennenzulernen, statt sich auf vermittelte Bilder zu verlassen. Und umgekehrt, wie Reinhard Grindel sagte. „Auf dieser Ebene – Fan zu Fan – wird Russland den Westen ganz anders erleben, als es sonst medial hier vermittelt wird. Der Fußball kann kleine zivilgesellschaftliche Brücken bauen.“ Solche Brücken wurden über die gesamte Dauer der deutsch-russischen Fußballwoche geschlagen. So stellten am Montagabend im Deutsch-Russischen Haus Vertreter der Heinrich-Böll-Stiftung, des Goethe-Instituts in Moskau, des Russischen Studentischen Sportverbandes und des Russischen Literaturmuseums ihr jeweiliges WM-Programm vor.

Knapp 1.000 Kilometer im WM-Spielort Wolgograd, der einst Stalingrad hieß, besuchte am Montag die deutsche U18-Nationalmannschaft gemeinsam mit der russischen U18 die Gedenkstätte am Mamajew-Hügel. „Geschichtsunterricht in der Praxis“, hatte Trainer Guido Streichsbier seinen Spielern angekündigt. Seit 1967 erinnert die Gedenkstätte an die sowjetischen Gefallenen in der Schlacht um Stalingrad im Winter 1942/1943. Der Sieg der Roten Armee markierte den Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg.

Am Dienstag reiste die DFB-Delegation ebenfalls nach Wolgograd und besuchte den Mamajew-Hügel. Gemeinsam mit Alexander Alaev, dem Generalsekretär des Russischen Fußballverbandes, legte DFB-Präsident Grindel einen Kranz zum Gedenken. Nieder. Am Nachmittag liefen die U18-Mannschaften beider Länder zu einem „Friedensspiel“ auf, als ein weiteres Symbol für das Motto des gesamten Besuchs: Fußball verbindet. Den Abschluss der Tage in Russland bildete ein Besuch der Delegation und des U18-Teams in Rossoschka, dem Friedhof deutscher Gefallener der Schlacht. „Was hier passiert ist, hat bis heute mit uns zu tun. Wir müssen alle jeden Tag und miteinander die universellen Menschenrechte verteidigen“, sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel.


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