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WM-Stadien-Check

In zwölf Stadion wird ab 14. Juni gespielt, in einigen dürften bis kurz vor Anpfiff noch letzte Verschönerungsarbeiten zu verrichten sein. Wir machen eine kleine Rundreise durch die Arenen der Weltmeisterschaft.

Russland hat sich als Gastgeber der WM mehr vorgenommen als die meisten anderen Austragungsländer. Von den zwölf Stadien, in denen im Sommer gespielt wird, sind neun komplette Neubauten, drei wurden umgebaut. Was das bedeutet, ist nicht schwer auszurechnen: Die Baukosten haben den Planungsrahmen in vielen Fällen gesprengt, die Bauzeit ebenfalls, und ob die funkelnagelneuen Stadien nach dem Turnier noch sinnvoll genutzt werden und wie ihr Unterhalt finanziert wird, ist in einigen Fällen ebenfalls fraglich.

Erprobt im Confed-Cup

Aber fangen wir bei den positiven Beispielen an. Dazu gehört ein älterer der WM-Neubauten, die bereits im Juni 2013 eröffnete Kasan-Arena. Im dritten Gruppenspielort der deutschen Mannschaft spielt im täglichen Betrieb mit dem Heimverein Rubin Kasan ein Erstligist. Das Stadion hat bereits einige internationale Spiele gesehen, nicht nur im Europapokal, sondern auch während des Confed-Cup. Zuletzt spielte Rubin weniger erfolgreich, was vermutlich auch einer der Gründe für den Zuschauerrückgang ist. Der Schnitt liegt aktuell bei etwa 8.700. Zu den Spielstätten des WM-Vorbereitungsturniers im Sommer 2017 gehörte auch das Fischt-Stadion in Sotschi, wo das deutsche Team zum zweiten Vorrundenspiel antreten wird. Das Stadion, das etwa 30 Kilometer außerhalb des Stadtzentrums liegt, wurde für die Olympischen Winterspiele 2014 gebaut und ebenfalls 2013 fertiggestellt. Die Anlage in der Ortschaft Adler ist umgeben von den ebenfalls neugebauten Eishallen. Einen Fußballverein, der die Arena mit einer Kapazität von knapp 50.000 füllen könnte, gibt es am Schwarzen Meer nicht. Ab und an schaut das russische Nationalteam vorbei wie beim 3:3 gegen Belgien Ende März 2017.

Die zwei weiteren Spielstätten des Confed-Cup werden bei der WM natürlich ebenfalls zum Einsatz kommen. Zum einen handelt es sich dabei um das Spartak-Stadion in Moskau, das im Ligabetrieb den Namen einer Bank trägt. Mit dem Neubau 2014 am Rand von Moskau fand die jahrelange Stadionodyssee von Spartak endlich ein Ende. Ein Schnitt von knapp 30.000 Besuchern bei einer Kapazität von rund 42.000 bedeutet in der Zuschauerrangliste Platz zwei in der russischen Liga. Tabellenführer ist hier Zenit mit 44.000 im neugebauten und 2017 eröffneten Sankt-Petersburg-Stadion. Die Spielstätte am Standort des früheren Kirow-Stadions wurde zwar gerade noch rechtzeitig für den Confed-Cup fertiggestellt, die gegenüber der Planung immer wieder gestiegenen Baukosten von angeblich 800 Millionen Euro und mutmaßliche Korruption haben den Ruf aber deutlich angekratzt. Das größte WM-Stadion mit einer Kapazität von 81.000 Zuschauern ist das Luschniki-Stadion in Moskau, es ist Schauplatz von Eröffnungsspiel und Finale und der erste Spielort der deutschen Mannschaft. Das ursprüngliche Stadion wurde 1956 eröffnet, für die Olympischen Spiele 1980 auf mehr als 100.000 Plätze ausgebaut und nun vor dem Turnier umfangreich saniert, unter anderem wurde die Laufbahn aus dem Stadioninneren entfernt. Zur Neueröffnung im November 2017 empfing die russische Nationalmannschaft dort Argentinien – und verlor 0:1. Einen Ligaheimverein gibt es nicht.

Neue Stadien für Zweit- Drittligisten

Der russische Winter ist lang und hart, das dürfte einer der Gründe sein, warum alle weiteren Stadioneröffnungen, die für 2017 geplant waren, erst in diesem Jahr stattfanden. Drei Testspiele müssen nach dem Go jeweils in den neuen Arenen absolviert werden, bevor die FIFA sie übernimmt. Es wurde also Zeit. Eines der großen Sorgenkinder – wegen erhöhter Baukosten und immer wieder neuer Komplikationen – war das Kaliningrad-Stadion in der gleichnamigen russischen Enklave. Hier werden vier Vorrundenspiele stattfinden, unter anderem das von England gegen Belgien. Das Stadion wurde Anfang April mit einem Zweitligaspiel zwischen dem Gastgeber Baltika gegen Krylja Sowetow aus Samara eröffnet. Zum 1:0-Sieg von Baltika kamen 15.000 in das 35.000er-Stadion, aber es ist wohl davon auszugehen, dass das in der zweiten Liga nicht der Normalfall sein wird. Kaliningrad ist eine von sieben WM-Städten, die bereits signalisiert haben, dass sie den Weiterbetrieb ihrer neuen Stadien nicht wie geplant ab Anfang 2019 aus eigener Kraft stemmen können. Die übrigen sind Jekaterinburg, Nischni Nowgorod, Rostow, Samara, Saransk und Wolgograd. Aktuell wird geprüft, ob es weitere staatliche Unterstützung geben wird.

Die Jekaterinburg-Arena hat bereits vor der offiziellen Eröffnung, die am 1. April erfolgte, für viele Schlagzeilen gesorgt. Verantwortlich dafür war der kreative und fünf Jahre dauernde Ausbau. Das 1957 eröffnete Stadion war zu klein für die geforderten 35.000, daher wurden Tribünen in Lego-Bauweise seitlich in die Anlage hineingeschoben, sie sollen nach der WM wieder rückgebaut werden. Das macht auch deswegen Sinn, weil der FK Ural zwar in der ersten Liga spielt, mit einem Schnitt von rund 7.000 Zuschauern aber nicht gerade ein Publikumsmagnet ist. Immerhin kamen zum Eröffnungsspiel knapp 20.000 und sahen ein 1:1 der Gastgeber gegen Rubin Kasan. Auch in Rostow am Don ist mit dem heimischen FC Rostow ein Erstligist beheimatet. Er empfing zur Eröffnung der Rostow-Arena am 15. April den SKA Chabarowsk und gewann vor knapp 13.000 Fans 2:0. Das 45.000er-Stadion soll nach der WM ebenfalls um etwa 5.000 Plätze rückgebaut werden. Der Platz dürfte auch dann noch ausreichend sein.

Am selben Tag fand auch das Eröffnungsspiel im Nischni-Nowgorod-Stadion statt, wobei zur Partie zwischen Olimpiyets und dem Zweitteam von Zenit Petersburg nicht alle Plätze der Arena für 44.000 Zuschauer genutzt werden konnten. Die Gastgeber verloren vor 15.000 Fans 0:1 und laufen Gefahr, aus der zweiten Liga abzusteigen. In dieser Spielklasse ist auch Rotor Wolgograd beheimatet, der die neue Wolgograd-Arena nutzen wird. Am 21. April fand das erste Spiel in diesem Stadion statt, das Ende März von der FIFA-Kommission die Betriebserlaubnis erhielt. Rotor empfing den FK Lutsch Energija Wladiwostok vor knapp 20.000 Zuschauern und siegte 4:2. Ein weiterer Testbetrieb steht am 9. Mai an, wenn das russische Cupfinale zwischen dem Zweitligisten Avangard Kursk und FK Tosno wie geplant hier abgehalten wird. Auch in Wolgograd gilt, dass das neue Stadion für 45.000 im Alltagsbetrieb wohl sehr häufig nicht gut gefüllt sein wird.

„Zweite Liga, das wär was“, mag man sich in Saransk sagen. Der dort beheimatete FK Mordowia spielt nämlich aktuell in der dritten, wenn auch mit Aufstiegsambitionen. Die Mordwinien-Arena war Anfang April die vorletzte Spielstätte, die von der FIFA die Betriebsgenehmigung erhielt. Etwa sechs Jahre später als eigentlich einmal geplant, aber darüber würde in Berlin-Brandenburg natürlich nur gelacht werden. In der Zwischenzeit wechselten nicht nur die Investoren, sondern auch die Baupläne für das Stadion, aber nun steht die Anlage für etwa 45.000 Zuschauer. Zur WM-Premiere laufen Dänemark und Peru auf. Damit kommen wir zum letzten der zwölf Stadien, der Samara-Arena. Hier könnte die deutsche Mannschaft zu einem Achtel- oder einem Viertelfinale antreten, und hey, bis dahin wird wohl alles fertig sein. Dann sollten ja schon vier Gruppenspiele in Samara absolviert sein. Mitte April gibt es von der Stadt an der Wolga immerhin zu vermelden: Der Rasen ist da

Eine Übersicht über die WM-Stadien mit einigen Basisinfos findet ihr hier.


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