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Der Weg zur WM

Am Ende war es die perfekte Qualifikation. Zehn Spiele, zehn Siege, 30 Punkte – die deutsche Mannschaft war das einzige Team, das sich ohne Punktverlust zur WM spielen konnte. Hinzu kam ein weiterer Rekord: Mit einer Torbilanz von 43:4 stellten die Schützlinge von Jogi Löw eine neue Bestmarke in der Europa-Qualifikation auf.


Abschlusstabelle Gruppe C

Pl.LandSpieleSiegUnentschiedenNiederlangeToreDiff.Punkte
1.Deutschland10100043:4+3930
2.Nordirland1061317:6+1119
3.Tschechien1043317:10+715
4.Norwegen1041517:16+113
5.Aserbaidschan1031610:19-910
6.San Marino1000102:51-490

Zugegeben, die Gruppe C mit Aserbaidschan, Nordirland, Norwegen, Tschechien, San Marino war nicht die schwierigste der möglichen Paarungen – denken wir etwa an Gruppe A mit Frankreich, den Niederlanden und Schweden. Doch ein so souveräner Start, wie ihn die deutsche Mannschaft in der Qualifikation hinlegte, will dennoch erst einmal geschafft werden. Nach den ersten drei Spielen im September und Oktober 2016 in Norwegen sowie zu Hause gegen Tschechien und Nordirland waren bereits neun Punkte und acht Tore eingefahren, und das ohne Gegentreffer. Besonders auffällig dabei: Thomas Müller, bei der EM in Frankreich ohne Torerfolg, erzielte die Hälfte der deutschen Tore. Beim abschließenden Qualifikationsspiel in San Marino im November ließ er den Kollegen den Vortritt: 8:0 hieß es am Ende. Das Jahr endete mit dem Klassiker Italien – Deutschland, 2016 damit schon in der dritten Auflage 2016. Nach zwei Siegen für das deutsche Team hieß es in Mailand im November 0:0, für Trainer Löw bot die Partie gegen eine Spitzenmannschaft die Möglichkeit, junge Spieler einzusetzen. So standen unter anderem Yannick Gerhardt, Leon Goretzka, Jonathan Tag und Julian Weigl auf dem Platz.

Gelungene Generalprobe

Mit einem Klassiker ging es 2017 weiter: Beim inoffiziellen Abschiedsspiel von Lukas Podolski im März in Dortmund hieß der Gegner England. Das Spiel endete 1:0, es traf … Poldi. Im Qualifikationsspiel auswärts gegen Aserbaidschan war es dann auch Zeit für den ersten Gegentreffer auf dem Weg zur WM: 4:1 siegte das deutsche Team. Mit dem Confederations Cup stand im Sommer die Generalprobe für das Turnier in Russland auf dem Programm. Zum Aufwärmen gab es ein Testspiel in Kopenhagen – 25 Jahre nach dem spektakulären Sieg der Dänen im Finale der EM 1992. Auch diesmal sah es lange so aus, als sollte das skandinavische Team am Ende siegreich bleiben. Erst ein Tor durch Joshua Kimmich in der 88. Minute brachte den Ausgleich um 1:1. Deutlich glatter verlief die Qualifikationspartie gegen San Marino, sieben Tore für die deutsche Mannschaft, davon drei von Sandro Wagner. Für ihn war es das erste A-Länderspiel überhaupt, nachdem Löw kurz zuvor seinen Kader für den Confed Cup bekannt gegeben hatte. Wer vermutet hatte, dass der Trainer dort auf Routiniers setzen würde, irrte. Jonas Hector war mit zuvor 27 Einsätzen im Kader schon so etwas wie ein alter Hase. Neben Wagner standen auch dessen damaliger Hoffenheimer Teamkollege Kerem Demirbay. Lars Stindl von Borussia Mönchengladbach, Marvin Plattenhardt von der Hertha sowie Amin Younes von Ajax auf der Liste der Neulinge. Hingegen kamen nur drei Weltmeister von 2014 mit nach Russland: Julian Draxler, Matthias Ginter und Shkodran Mustafi.

Ein Perspektivturnier sollte es werden, hatte der Bundestrainer vorher erklärt. Und die Perspektiven, so lässt sich im Nachhinein sagen, sind dann wohl ziemlich gut. Vier Siege, ein Unentschieden und der Titel sprangen am Ende heraus. Insbesondere die Spiele gegen Chile – beim 1:1 in der Gruppe und schließlich beim 1:0-Sieg im Finale – erwiesen sich dabei als echte Härtetests für das deutsche Team. Weniger technische Finesse als vielmehr Zweikampfstärke waren gegen die Mannschaft um Arturo Vidal gefragt. Das entscheidende Tor im Finale erzielte Lars Stindl. Ein Wiedersehen mit Chile wird es bei der WM nicht geben, die Südamerikaner verpassten die Qualifikation. Dafür jedoch ist Confed-Cup-Halbfinalist Mexiko im Sommer gleich der erste Gegner der deutschen Mannschaft. Wenn es dann im Juni 2018 in Moskau dasselbe Ergebnis gibt wie im Juni 2017 in Sotschi, werden sich die deutschen Fans nicht beschweren: Mit 4:1 zog Löws Team ins Finale des Confed Cup ein.

Nach dem Turnier ging es im September weiter in der Qualifikation. Gegen Tschechien in Prag und gegen Norwegen in Stuttgart standen dann mit Mats Hummels, Sami Khedira, Toni Kroos, Thomas Müller und Mesut Özil jene Spieler auf dem Platz, die zum Kern des WM-Teams von 2014 gehörten. Im Tor allerdings musste Löw weiterhin auf den großen Rückhalt Manuel Neuer verzichten, der nach einer erneuten Verletzung seinem Klub ebenso wie der Nationalmannschaft weiter fehlte. Beim Confed Cup in Russland hatte sich Marc-Andre ter Stegen durchgesetzt, doch auch Bernd Leno und Kevin Trapp kamen in den bisherigen Länderspielen während der Verletzung des Bayern-Keepers zum Einsatz.

Gelassener Bundestrainer

Die letzten zwei Schritte in der WM-Qualifikation wurden dann im Oktober gemacht: Mit 3:1 siegte das deutsche Team in Belfast, wo es ein Wiedersehen und -hören mit den bei der EM so sangesfreudigen nordirischen Fans gab. Und zum Abschluss hieß es dann in Kaiserslautern nach einem Halbzeitstand von 1:1 gegen Aserbaidschan schließlich 5:1, wobei auch der Bundestrainer hinterher zugeben musste, dass sein Team in der ersten Hälfte wenig weltmeisterlich daherkam. Doch von diesem kleinen Schönheitsfehler abgesehen zeigte sich Löw im Interview nach dem Spiel hochzufrieden mit der Art und Weise, in der das Ticekt für Russland gelöst wurde: „Zehn Siege in zehn Spielen zeigen, dass die Mannschaft immer die Spannung und die Konzentration hoch gehalten hat. Das ist nicht selbstverständlich.“

37 Spieler kamen in den Qualifikationsspielen insgesamt zum Einsatz. Das junge und so erfolgreiche Team aus dem Confed Cup hat gezeigt, dass es mit Stammplatzgarantien auch für Weltmeister schwierig wird. Apropos Weltmeister: Rechtzeitig zum Jahresausklang meldete sich auch der Torschütze der WM-Nacht von Rio wieder zurück. Im Testspiel gegen Frankreich feierte Mario Götze nach einem Jahr sein Comeback in der Nationalmannschaft. Durch ein Last-Minute-Tor von Lars Stindl endete dieses Spiel gegen einen der WM-Mitfavoriten in Köln 2:2. Für Löw war es das gute Ende eines überragenden Jahres. Der Trainer blickte gelassen auf die kommenden Monate: „Wir wissen, was wir können. Deswegen macht mich in der Vorbereitung nichts mehr nervös.“


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