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Gruppe A

Trainer aus Südamerika und ein Ex-Dynamo-Keeper

Wenn am 14. Juni im Moskauer Luschniki-Stadion der Anpfiff für das Eröffnungsspiel ertönt, wird damit eine Tradition aufgegriffen, die mit der WM 2006 in Deutschland begann. Seitdem bestreitet nicht mehr der amtierende Champion das erste Spiel eines Turniers, sondern der Gastgeber.

Als Favorit startet die russische Mannschaft sicherlich nicht in die Gruppenphase, hat mit Ägypten und Uruguay zwei durchaus schwere Brocken erwischt, die Mannschaft aus Saudi-Arabien dagegen kann als Außenseiter betrachtet werden.

Der in Deutschland wohl bekannteste Vertreter der russischen Nationalelf ist ihr Trainer Stanislaw Tschertschessow, der in den 1990er-Jahren für Dynamo Dresden zwei Bundesligaspielzeiten im Tor stand. Seinen heutigen deutschen Kollegen kennt Tschertschessow, der ausgezeichnet Deutsch spricht, übrigens gut: Joachim Löw trainierte den FC Tirol 2001/2002, als Tschertschessow dort spielte. Gemeinsam wurden sie österreichischer Meister, dann ging der Klub in Konkurs. Auch auf Spielerseite könnten bei der WM mit dem Ex-Schalker Roman Neustädter und Konstantin „Kocka“ Rausch ehemalige Bundesligaprofis dabei sein. Rausch wechselte im Winter vom 1. FC Köln zu Dynamo Moskau. Überhaupt sind fast alle Nationalspieler in der russischen Permjer-Liga tätig.

Beim Confed Cup 2017, der WM-Generalprobe, konnte Tschertschessows Team nur das erste Spiel gegen Neuseeland gewinnen, blieb gegen Portugal und Mexiko aber punktlos. Bei der WM in Brasilien kam Russland nicht über die Vorrunde hinaus, unter Fabio Capello blieb das Team sieglos und musste Belgien und Algerien den Vortritt lassen. Der Vorgängerverband, also die sowjetische Nationalmannschaft, schlug sich deutlich erfolgreicher und scheiterte bei der WM 1966 erst im Halbfinale gegen die Bundesrepublik Deutschland. Im Tor stand damals der immer noch bekannteste russische bzw. sowjetische Fußballer: Lew Jaschin.

Fünfte WM-Teilnahme für Saudi-Arabien

Saudi-Arabien ist zum fünften Mal bei einer Weltmeisterschaft dabei. Im Unterschied zur russischen Auswahl haben die Saudis die Vorrunde allerdings schon einmal erfolgreich überstanden – bei ihrem ersten WM-Auftritt 1994 in den USA. Hier scheiterten sie schließlich an den Schweden, die das Turnier auf dem dritten Platz beendeten. Deutschen Fans dürfte die Mannschaft vor allem durch die Begegnung vom 1. Juni 2002 bei der WM in Südkorea/Japan ein Begriff sein, als die DFB-Auswahl durch ein 8:0 ihren höchsten WM-Sieg feiern konnte. Miroslav Klose legte damals mit drei Treffern den Grundstein für seinen Status als erfolgreichster WM-Torschütze aller Zeiten. Ein Wiedersehen – ohne Klose – gibt es direkt vor der WM beim Testspiel am 8. Juni in Leverkusen.

Betreut wurde die saudische Nationalmannschaft bis vor Kurzem vom Argentinier Edgardo Bauza, Er hatte dieses Amt von Bert van Marwijk übernommen, der die Mannschaft zur WM führte, nach Uneinigkeiten mit dem Verband im September 2017 jedoch entlassen wurde. Nach nur fünf Freundschaftsspielen musste auch Bauza jedoch schon wieder die Trainerbank räumen, Ihm folgte Juan Antonio Pizzi, der mit Chile 2016 die Copa América verteidigte und die Mannschaft im vergangenen Jahr ins Finale des Confed-Cups führte, wo sie gegen Deutschland 0:1 verlor. Vor dem letzten Gruppenspiel der Südamerika-Qualifikation auf Platz drei stehend, verpasste Chile durch eine 0:3-Niederlage gegen Brasilien den WM-Zug, und Pizzi trat zurück.

Die Spieler im saudischen Kader sind fast ausschließlich in der Saudi Professional League tätig. Die letzten beiden Weltmeisterschaften verpasste der dreimalige Asienmeister. Für die WM in Russland qualifizierte Saudi-Arabien sich direkt und konnte in der Qualifikation immerhin Australien hinter sich lassen.

Uruguay und Ägypten mit Starpower

Lassen sich weder bei Russland noch Saudi-Arabien echte Superstars ausmachen, sieht das bei den anderen beiden Mannschaften in Gruppe A schon ganz anders aus. Einen Titel wird man den Uruguayern nie mehr streitig machen können: den des ersten Fußballweltmeisters aller Zeiten. Mit ihrer zehnten WM-Teilnahme gehört die Mannschaft von Óscar Washington Tabárez, der wie Löw schon seit 2006 im Amt ist, zu den Dauergästen beim wichtigsten Fußballturnier der Welt. Die Südamerikaqualifikation beendete Uruguay auf Platz zwei hinter Brasilien.

Die uruguayische Nationalelf ist gespickt mit Spielern aus den großen Ligen Europas. Am bekanntesten sind wohl die beiden Angreifer Edinson Cavani (Paris Saint- Germain) und Luis Suárez (FC Barcelona), einer der potenziellen Superstars des Turniers. Wer erinnert sich nicht an seine Beißattacken, unter anderem bei der WM in Brasilien gegen Giorgio Chielini, oder sein Handspiel auf der Linie bei der WM in Südafrika, mit dem er zum Leidwesen der Ghanaer den Verbleib seiner Mannschaft im Wettbewerb sicherstellte?

Bei den letzten beiden Weltmeisterschaften endete der Weg der Südamerikaner im kleinen Finale (Südafrika 2010, 2:3 gegen Deutschland) und im Achtelfinale (Brasilien, 0:2 gegen Kolumbien).

Für die Ägypter bedeutet die WM-Teilnahme in Russland das Ende einer langen Durststrecke, auf dem ganz großen internationalen Parkett traten sie zuletzt 1990 in Italien auf, dabei konnten sie immerhin den Niederlanden und Irland einen Punkt abtrotzen. Nach einer Niederlage gegen England schieden sie bereits in der Vorrunde aus. Mit den WM-Neulingen haben die Afrikaner eines gemeinsam: Sie sind noch ohne Sieg bei einer Weltmeisterschaft. Doch unterschätzen darf man den siebenmaligen afrikanischen Kontinentalmeister nicht.

Auch Ägypten wird von einem Südamerikaner trainiert. Héctor Cúper war als Trainer vor allem in Italien und Spanien unterwegs, unter anderem trainierte er Inter Mailand, das er zweimal zur Vizemeisterschaft führte. Einige seiner Spieler sind in Europa tätig, darunter auch Mohamed Salah. Der Schützling von Jürgen Klopp beim FC Liverpool ist doppelter Fußballer des Jahres – auf einem Kontinent, nämlich Afrika, und in einem Land, nämlich England. Er ist in seiner Nationalmannschaft der herausragende Akteur, auch wenn Ägypten als Team sicher nicht so stark einzuschätzen ist wie Uruguay.

Prognose

Die große Frage der Gruppe A wird sein, welchen Nutzen Russland aus dem Heimvorteil zieht. Pflichtspiele auf internationaler Ebene hat der Gastgeber zuletzt beim Confed-Cup bestritten, als lediglich gegen Neuseeland ein Sieg gelang. Uruguay geht als Favorit in die Gruppenphase, Platz zwei dürften Russland und Ägypten unter sich ausmachen. Damit bleibt für die Saudis nur noch die Rolle des Außenseiters. Die könnten sie allerdings bereits im Eröffnungsspiel ablegen.

[oe]


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