\ Start \ Turnier und Tickets \ Teilnehmerländer \ Gruppe B

Gruppe B

Zwei europäische Schwergewichte

Wenn Gruppe B am 15. Juni ihren Spielbetrieb aufnimmt, bietet sie mit dem iberischen Derby fast so etwas wie ein vorweggenommenes Endspiel um den Gruppensieg. Neben den zwei europäischen Schwergewichten im Weltfußball sind die Vertreter des asiatischen Verbandes, Iran, und des afrikanischen Verbandes, Marokko, die klaren Außenseiter.

Gruppe B brachte der portugiesischen Auswahl schon bei der WM-Qualifikation Glück. Zwar gab es zum Auftakt gleich eine Niederlage gegen die Schweiz, doch in den neun darauffolgenden Spielen marschierte die Mannschaft von Fernando Santos ohne weiteren Punktverlust durch. Am Ende der Qualifikation hatte der amtierende Europameister den großen Rivalen aus Spanien in der Weltrangliste hinter sich gelassen und war als Gruppenkopf gesetzt, allemal ein Prestigeerfolg.

Die Titelträger

Santos ist seit 2014 für das portugiesische Nationalteam verantwortlich, zuvor trainierte er Griechenland, wo er 2010 Otto Rehhagel ablöste. Bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien führte Santos, der lange Zeit in Griechenland als Vereinstrainer tätig war, seine Mannschaft immerhin erstmals bei einer WM in die K.-o.-Phase. Dort kam im Elfmeterschießen das Aus gegen Costa Rica, was Santos nur am Fernseher beobachten konnte – der Schiedsrichter hatte ihn nach einem heftigen Zusammenstoß aus dem Stadioninnenraum verwiesen. Das brachte Santos eine Sperre von acht Spielen ein.

Die Seleção ist gespickt mit Spielern, die in den großen europäischen Ligen aktiv sind. Bekannte Akteure aus der Bundesliga, die zumindest zum erweiterten Kader gehören, sind der Leipziger Bruma und Raphaël Guerreiro von Borussia Dortmund. Für Superstar Cristiano Ronaldovon Real Madrid dürfte es die letzte Weltmeisterschaft werden. Was er dort vorhat, stellte er in der Qualifikation klar – mit einem Rekord von 15 Toren.

Gegen keine Mannschaft hat Portugal so viele Länderspiele (38) wie gegen Spanien bestritten und umgekehrt. Umso erstaunlicher ist es, dass das letzte Aufeinandertreffen bereits sechs Jahre zurückliegt – im EM-Halbfinale 2012 in der Ukraine und Polen standen sie sich zum letzten Mal gegenüber. Danach wurden beide Teams je einmal zum Europameister gekürt.

Seitdem hat bei den Spaniern ein Umbruch stattgefunden. Seit dem Rücktritt von Vincente del Bosque wird La Roja von Julen Lopetegui trainiert. Der war lange Jahre für die spanischen Jugendnationalmannschaften verantwortlich, bevor er nach einem zweijährigen Aufenthalt in Portugal beim FC Porto die Nachfolge von Del Bosque antrat.

Seine Spieler kommen von den großen Klubs Europas, seien es Thiago Alcantara und Javi Martinez (FC Bayern), Andrés Iniesta und Gerard Piqué (FC Barcelona) oder Marco Asensio (Real Madrid). Letzterer könnte zu einem der Stars des Turniers werden. Zuletzt geriet er allerdings anderweitig ins Rampenlicht: Nachdem er sich beim Rasieren der Beine verletzt hatte, musste Asensio auf einen Start in der Champions League verzichten.

Die Spanier haben nach dem Aus in der Vorrunde bei der Weltmeisterschaft in Brasilien auch etwas gutzumachen. Die WM-Qualifikation verlief vielversprechend, aus zehn Partien holte die Mannschaft von Lopetegui neun Siege, lediglich am zweiten Spieltag in Turin gab es ein Remis. Die Punkte gegen Italien sorgten schließlich über Umwege dafür, dass eine der größten Fußballnationen bei der WM in Russland gar nicht dabei ist.

Update: Einen Tag vor WM-Beginn hat der spanischen Verband Trainer Julen Lopetegui  entlassen, nachdem er zur neuen Saison von Real Madrid als Nachfolger von Zinedine Zidane verpflichtet wurde. 

Die Außenseiter

An ihrer fünften Weltmeisterschaft nehmen die Marokkaner teil. Ihren größten Erfolg feierten die Atlas-Löwen – so der Spitzname – bei der Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko. Als erste Mannschaft des afrikanischen Kontinents überhaupt beendeten sie die Vorrunde als Gruppensieger – ungeschlagen gegen England, Polen und Portugal. Im Achtelfinale schied das Team gegen die Bundesrepublik Deutschland aus: Einziger Torschütze beim Spiel in Monterrey war damals Lothar Matthäus. Trainiert wird die marokkanische Mannschaft heute vom Franzosen Roland Hervé, der viel Erfahrung auf dem afrikanischen Kontinent gesammelt hat. Er begann seine Laufbahn als Co-Trainer für die ghanaische Auswahl, danach trainierte er unter anderem Sambia, Angola, die Elfenbeinküste, bevor er 2016 Marokko übernahm. Er löste für die WM-Qualifikation Zaki Badou ab, den Mann, der bei der Niederlage gegen Deutschland 1986 im Tor der Marokkaner stand.

Hervé führt Marokko ohne Niederlage und Gegentor durch die Qualifikation, bei der seine Mannschaft unter anderem die Elfenbeinküste aus dem Rennen warf. Viele seiner Spieler sind in Europa tätig, die beiden in Deutschland bekanntesten dürften der Kapitän und Juve-Verteidiger Medhi Benatia durch seine Zeit bei den Bayern und Schalkes Shootingstar Amine Harit sein.

Auch die Mannschaft des Iran ist bereits zum fünften Mal bei einer Weltmeisterschaft dabei, über die Vorrunde ist der dreifache Asienmeister allerdings noch nie hinausgekommen. Dabei zog sich die Mannschaft bei der letzten WM in Brasilien gar nicht so schlecht aus der Affäre: Mit einem Remis gegen Nigeria startete der Iran in die Gruppenphase, gegen Favorit Argentinien gab es eine beachtenswert knappe 0:1-Niederlage, lediglich im letzten Spiel gegen Bosnien und Herzegowina blieb das Team chancenlos und musste daher – wie bereits bei den Turniere zuvor – die Heimreise vorzeitig antreten.

Trainer Carlos Queiroz ist in Europa nicht ganz unbekannt. In Portugal ist sein Name untrennbar mit der „Goldenen Generation“ um Luis Figo und Rui Costa verknüpft, die er als U20-Trainer zu zwei Weltmeistertiteln führte. Als Nationaltrainer war Queiroz bereits zweimal für Portugal, die Vereinigten Arabischen Emirate und Südafrika aktiv. Seit 2011 arbeitet er für Team Melli, das er nun bereits zum zweiten Mal zu einer Weltmeisterschaft geführt hat. Seine Mannschaft überstand die beiden Gruppenphasen der asiatischen Qualifikation souverän, blieb in 18 Partien ungeschlagen und ließ unter anderem Südkorea hinter sich. Ein spezieller Höhepunkt der iranischen WM-Geschichte war die Auszeichnung mit dem FIFA-Fairplay-Preis bei der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich, mit der das Team für das Verhalten rund um das Spiel gegen die USA geehrt wurde.

Die Akteure, auf die Queiroz zurückgreifen kann, sind in der Regel in kleineren Ligen unterwegs, so sie denn überhaupt in Europa spielen. Bekanntester Akteur in Deutschland ist der ehemalige Wolfsburger Ashkan Dejagah, der zurzeit bei Nottingham Forest in der zweiten englischen Liga kickt.

Prognose

Alles andere als eine Qualifikation von Spanien und Portugal wäre eine Riesenüberraschung. Die beiden europäischen Spitzenteams sind der Konkurrenz, was Kaderqualität und internationale Erfahrung betrifft, um Längen voraus. Doch sowohl Marokko als auch der Iran haben bereits gezeigt, dass sie mit Außenseiterrollen gut zurechtkommen.

[oe]


Zur Startseite Symbol .