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Gruppe D

Ein Debütant und ein Mitfavorit – hu!

In Gruppe D spielen zwei Gruppensieger ihrer jeweiligen Qualifikationen, ein WM-Debütant und eine Mannschaft, die es erst auf den letzten Drücker zur WM geschafft hat: Der Favorit in der Runde mit Argentinien, Island, Kroatien und Nigeria ist das Team mit den größten Schwierigkeiten auf dem Weg nach Russland.

Argentinien holpert nach Moskau

Als die „Albiceleste“ am 11. Oktober 2017 in Quito in Ecuador zum letzten Spiel in der Südamerika-Gruppe antrat, stand nicht weniger als die WM-Teilnahme auf dem Spiel. Im Nachhinein sollte sich herausstellen, dass selbst ein Remis nicht gereicht hätte. Nach etwas mehr als dreißig Sekunden gingen die Ecuadorianer, die das Hinspiel 2:0 gewonnen hatten, in Führung. Wäre es bei diesem Ergebnis geblieben, hätte Argentinien die WM verpasst. Drei Tore von Lionel Messi wendeten die Katastrophe ab.

Betreut wird die argentinische Nationalmannschaft von JorgeSampaoli, der sich seine ersten internationalen Sporen mit der Auswahl Chiles verdiente. Ausgerechnet gegen Argentinien, sein Heimatland, führte er sie 2015 zum ersten Copa-América-Titel. Er wechselte danach nach Europa und brachte den FC Sevilla in die Champions League, bevor er im vergangenen Juni in Argentinien die Nachfolge von Edgardo Bauza – der jetzt Trainer von Saudi-Arabien ist – antrat. Bauzas kurze Amtszeit im Dienste der Albiceleste ist nur in einer Hinsicht bemerkenswert: Er veranlasste Messi zum Rücktritt vom Rücktritt aus der Nationalelf.

Die Auswahl von Sampaoli ist gespickt mit internationalen Stars. Fast alle Topclubs in Europa, ob Manchester United, der AC Milan, Paris Saint- Germain, Manchester City, Juventus oder der FC Barcelona, haben in ihren Reihen Spieler aus Argentinien. Nur Deutschland bleibt ein weißer Fleck. Oder fast weiß, denn es gibt ja Lucas Alario von Bayer Leverkusen. Zu den bekanntesten Akteuren gehören Gonzalo Higuaín, Paulo Dybala (beide Juve), Angel di María (PSG), Sergio Agüero (Man City) – auch bekannt als früherer Schwiegersohn von Diego Maradona –, Sergio Romero (Stammkeeper von Man City) und natürlich und vorneweg Messi. Die Albiceleste startet als weißer Hai in einer Gruppe mit kleinen und mittelgroßen Fischen in die Vorrunde.

Hu – Island jetzt auch auf der Weltkarte

Den größten Kontrast zur „Albiceleste“ bildet in Gruppe D die Mannschaft aus Island. Nach Belgien, Kroatien und Panama zwar nur das viertkleinste Land, das es zur WM geschafft hat, aber mit knapp 350.000 Einwohner mit Abstand das bevölkerungsärmste. Die isländischen Spieler kann kaum einer beim Namen nennen, aber den Schlachtruf der Fans kennt, zumindest in Europa, seit der EM 2016 wohl jeder.

Die Mannschaft, in ihrer Heimat liebevoll „Strákamir okkar“ (Unsere Jungs) genannt wird, scheiterte bei der Qualifikation für die WM in Brasilien noch knapp in den Play-offs. Diesmal ersparte sie sich diesen Umweg und qualifizierte sich direkt. In einer Gruppe, in der unter anderem Kroatien und die Türkei spielten, eine beachtliche Leistung.

Bei der EM in Frankreich schalteten die Isländer im Achtelfinale England aus, um eine Runde später gegen Finalist Frankreich zu scheitern. Das Erreichen der K.-o.-Runde in Russland wäre der nächste größte Erfolg der isländischen Fußballgeschichte.

Einer der Väter dieses Erfolges ist Heimir Hallgrimsson, der Zahnarzt aus Vestmannaeyjar, der nach dem Rücktritt von Lars Lagerbäck die Mannschaft in Alleinverantwortung zusammenstellt. Während Sampaoli auf Spieler aus Manchester, Barcelona, Turin und Paris zurückgreifen kann, beobachtet Hallgrimsson seine Akteure bei Tromsø IL, Kardemir Karabükspor, Maccabi Tel Aviv, Bristol City, Jagiellonia Białystok, Randers FC und dem SV Sandhausen. Der bekannteste Spieler in der Bundesliga dürfte der Augsburger Alfreð Finnbogason sein.

Kroatische Kronjuwelen: Das Mittelfeld

Seit der kroatische Verband 1992 Mitglied der FIFA wurde, hat die Nationalmannschaft erst eine WM, nämlich die in Südafrika, verpasst. Der größte Erfolg liegt jedoch schon eine ganze Weile zurück. Bei der WM in Frankreich 1998 schlugen die „Feurigen“ damals Deutschland 3:0, legendär ist die Rote Karte gegen Christian Wörns im Viertelfinale – im deutschen Kader stand damals unter anderem der heutige Teammanager Oliver Bierhoff. Die WM endete für Kroatien auf Platz drei.

Über die Vorrunde kam die Mannschaft danach nicht mehr hinaus. Zlatko Dalić, der die Kroaten betreut, übernahm das Traineramt erst vor dem letzten Gruppenspiel der Qualifikation gegen die Ukraine. Ein 2:0-Sieg in Kiew, bei der der Hoffenheimer Andrej Kramarić beide Treffer erzielte, führte die kroatische Auswahl in die Play-offs, wo sie sich mit einem 4:1 zu Hause und einem torlosen Remis in Piräus gegen die von Michael Skibbe betreuten Griechen durchsetzte.

Dalić kann eine Mannschaft aufbieten, die mehr internationale Erfahrung als er selber hat. Prunkstück seiner Auswahl ist das Mittelfeld mit Luka Modrić (Real Madrid), Ivan Rakitić (FC Barcelona), Ivan Perišić (Inter Mailand), die zum Teil auch in der Bundesliga gespielt haben. Auch Mario Mandžukić ist in Deutschland noch von seiner Zeit beim VfL Wolfsburg und dem FC Bayern München bekannt. Neben Kramarić ist Tin Jedvaj (Bayer Leverkusen) aktueller Bundesligaspieler.

Kuriosum am Rande: Gruppengegner Island ist bei den Kroaten bestens bekannt. Die Spiele während der WM-Qualifikation endeten jeweils mit Heimsiegen, Kroatien gewann 2:0, Island 1:0.

WM-Klassiker Nigeria

Der dreimalige Afrika-Meister ist inzwischen ein Dauergast bei den Weltmeisterschaften. Seit 1994, als sich die „Super Eagles“ erstmals für eine WM qualifizierten, haben sie lediglich das Turnier in Deutschland verpasst. Von den afrikanischen Teams hat einzig Kamerun mehr WM-Teilnahmen aufzuweisen. Und wie bei fast allen Weltmeisterschaften landete Nigeria auch diesmal wieder und damit zum fünften Mal in derselben Gruppe wie Argentinien. Nur bei der WM in Frankreich 1998 konnte die Mannschaft der „Albiceleste“ aus dem Weg gehen, gewonnen hat Nigeria bislang nie. Daher darf schon mal das Wort Klassiker fallen, wenn sich diese beiden Teams am 26. Juni in Sankt Petersburg im letzten Gruppenspiel gegenüberstehen.

Betreut wird die Mannschaft von einem echten Weltenbummler, dem in Mannheim geborenen Gernot Rohr. Er hat als Nationaltrainer inzwischen Station in Gabun, Niger und Burkina Faso gemacht. Seit August 2016 trainiert er die „Super Eagles“. Nigeria überstand die Qualifikation ohne Niederlage, allerdings wurde das 1:1 gegen Algerien am grünen Tisch in eine Niederlage umgewandelt, weil ein gesperrter Spieler eingesetzt wurde. Dennoch gewannen die Nigerianer ihre WM-Gruppe mit deutlichem Abstand und konnten ungefährdet und als erste afrikanische Mannschaft das WM-Ticket buchen.

Bekanntester Spieler ist John Obi Mikel, der über zehn Jahre für den FC Chelsea aktiv war, inzwischen aber sein Geld bei Tianjin Teda in China verdient. Aus der Bundesliga ist Leon Balogun vom FSV Mainz 05 bekannt. Alex Iwobi ist beim Arsenal FC aktiv, Viktor Moses bei Chelsea FC.

Prognose

Trotz der schwachen Qualifikation startet Argentinien in die Gruppenphase als Favorit. Dahinter kämpfen Kroatien, Nigeria und Island um den zweiten Platz. Die größere internationale Erfahrung der Kroaten gebietet, ihnen Vorteile zuzugestehen, aber schon in der Qualifikation hatte die Mannschaft so ihre Schwierigkeiten mit Island. Das Rennen scheint daher relativ offen. Für Überraschungen sind alle Mannschaften gut.

[oe]


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