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Gruppe E

Brasilien will den sechsten Titel

Der Stachel nach der 1:7-Niederlage im Halbfinale gegen Deutschland bei der letzten Weltmeisterschaft sitzt bei der„Seleção“ noch tief. Gemeinsam mit der Niederlage bei der Weltmeisterschaft von 1950 gegen Uruguay zählt dieses Spiel zu den Tiefpunkten der brasilianischen Fußballgeschichte. Diese Erinnerung zu tilgen, dazu tritt Brasilien bei der WM in Russland an.

Ganz reibungslos verlief der Neustart der nach der letzten WM nicht. Nach der Niederlage gegen Deutschland übernahm zunächst Carlos Dunga den Posten des Nationaltrainers, der legte sein Amt jedoch bereits zwei Jahre später nach dem Aus im Viertelfinale bei der Copa America nieder. Sein Nachfolger war Adenor Leonardo Bachi, genannt Tite, der bis dahin hauptsächlich als Vereinstrainer in Brasilien aktiv war.

Unter Tite spielte Brasilien eine beeindruckende Qualifikation. Nach einer Auftaktniederlage gegen Chile (0:2) blieb die „Seleção“ in den folgenden 17 Spielen ungeschlagen und sicherte sich neben den Russen, die als Gastgeber ohnehin qualifiziert waren, als erste Mannschaft das Ticket für die Weltmeisterschaft.

Wenn Brasilien am 17. Juni sein erstes Spiel gegen die Schweiz bestreitet, liegt der letzte Titelgewinn für das A-Team fast 16 Jahre zurück. Es mag ein Ausdruck für das neu gewonnene Selbstvertrauen der Brasilianer sein, dass Tite fast auf den Tag genau vier Monate vor dem Anpfiff der Partie gegen die Eidgenossen dem brasilianischen Internet-Portal UOL bereits die Aufstellung verriet. Wie komplett der Umbruch bei den Brasilianern vonstatten ging, macht alleine die Tatsache deutlich, dass aus der Startelf vom Spiel gegen Deutschland mit Marcelo (Real Madrid) nur noch ein Spieler übrig geblieben ist. Neymar, auch bekannt als teuerster Spieler der Welt, fehlte damals verletzt. Der Superstar von Paris Saint Germain, der sich Ende Februar bei einem Ligaspiel einen Haarriss im Mittelfuß zuzog, ist aber, wie die Aufstellung von Tite verrät, für die Weltmeisterschaft fest eingeplant.

In Tites Mannschaft sind Spieler fast aller großen europäischen Klubs dabei. Und sollte es Rafinha vom FC Bayern noch auf den letzten Drücker in den brasilianischen Kader schaffen, auch die Meisterteams der fünf großen Ligen. Von den aktuellen Bundesligaspielern gehört Naldo (Schalke 04) zum erweiterten Umfeld. Am prominentesten vertreten sind die beiden spanischen Spitzenclubs FC Barcelona und Real Madrid, die zusammen mit Paris Saint-Germain die meisten Spieler für die „Seleção“ abstellen. Aus der Bundesliga bekannt sind unter anderem Roberto Firmino (ehemals Hoffenheim, heute Liverpool) und Renato Augusto (ehemals Bayer 04 Leverkusen), der heute in China spielt.

Die Schweiz mit viel Bundesliga

Bis zum letzten Spieltag der WM-Qualifikation hatten die Eidgenossen die Möglichkeit, sich für die WM in Russland direkt zu qualifizieren. Als Tabellenführer ging die Mannschaft von Vladimir Petković, der 2014 die Nachfolge von Ottmar Hitzfeld angetreten hatte, mit drei Punkten Vorsprung in das entscheidende Spiel gegen Portugal. Die Schweizer unterlagen 2:0 in Lissabon – nebenbei der einzige Punktverlust im Verlaufe der Gruppenspiele – und mussten den Umweg über die Play-offs nehmen. Ein 1:0-Erfolg gegen Nordirland in Belfast und ein torloses Rückspiel in Basel reichten aus, um die vierte WM-Teilnahme in Folge für die Eidgenossen sicherzustellen.

Petković ist ein absoluter Kenner des schweizerischen Fußballs, den Großteil seiner Profikarriere war er in der Schweiz aktiv. Stationen als Trainer legte er unter anderem in Bern, bei Samsunspor und Lazio Rom ein. Mit den Römern gewann er in der Spielzeit 2012/13 auch die Coppa Italia. Als in Rom bekannt wurde, dass Petković mit dem Schweizer Verband in Verhandlungen um die Nachfolge von Hitzfeld stand, wurde er dort vorzeitig aus seinem Vertrag entlassen.

Petkovićs Spieler sind über ganz Europa verteilt, die wenigsten gehen ihrem Beruf in der obersten Spielklasse der Heimat nach. Dabei liefert vor allem die Bundesliga einen wichtigen Anteil. So sind beispielsweise alle drei Torhüter, Roman Bürki (Borussia Dortmund), Marwin Hitz (FC Augsburg) und Yann Sommer (Borussia Mönchengladbach) bei ihren deutschen Vereinen Stammkeeper. Stephan Lichtsteiner (Juventus Turin) und Ricardo Rodriguez (ehemals VfL Wolfsburg, aktuell AC Mailand) verdienen ihre Brötchen bei großen Klubs in Italien. Weitere Akteure mit Bundesligavergangenheit sind Xherdan Shaqiri (Bayern München, aktuell Stoke City), Granit Xhaka, das Herzstück des Schweizer Mittelfeld (Borussia Mönchengladbach, aktuell FC Arsenal), und Haris Seferovic (ehemals Eintracht Frankfurt, aktuell Benfica Lissabon).

Costa Rica wieder unschlagbar?

Der Weg zur WM ist in der Confederation of North, Central America and Caribbean Association Football ein langer und beschwerlicher, der über drei K.-o.-Runden und zwei Gruppenphasen führt. Costa Rica griff in diesen Wettbewerb erst relativ spät ein, als eines der besten sechs Teams der Concacaf-Rangliste begannen „Los Ticos“ erst in Phase vier. Ungeschlagen in einer Gruppe mit Panama, Haiti und Jamaika qualifizierte sich Costa Rica für die fünfte Runde, in der sechs Mannschaften drei direkte WM-Plätze und einen Play-off-Platz für ein Duell gegen den Fünften der Asien-Qualifikation ausspielen.

Souverän durchliefen die Costa Ricaner die Qualifikation, in deren Verlauf sie lediglich zwei Niederlagen kassierten. Eine gegen Gruppensieger Mexiko, eine gegen Panama am letzten Spieltag, als sie das WM-Ticket schon in der Tasche hatten. Für ein gewisses Aufsehen sorgten besonders die beiden Siege gegen die Auswahl der USA, die ein wesentlicher Grund dafür sind, dass die Nordamerikaner die Teilnahme am Turnier in Russland verpassten.

Bei der WM in Brasilien gehörte Costa Rica zu den ganz großen Überraschungen. In Gruppe D mit Uruguay, Italien und England qualifizierten sich „Los Ticos“ nach Siegen gegen Uruguay (3:1) und Italien (1:0) sowie einem torlosen Remis gegen England als Gruppensieger für das Achtelfinale. Dort setzten sie sich im Elfmeterschießen gegen Griechenland durch, um im Viertelfinale, ebenfalls nach Elfmeterschießen, an den Niederlanden zu scheitern. Ungeschlagen mussten sie die Segel streichen.

Coach der Nationalmannschaft ist Óscar Ramírez, der dieses Amt 2015 als Nachfolger von Paulo Wanchope übernahm. Relativ außergewöhnlich an Ramírez ist, dass er weder als Spieler noch als Trainer jemals im Ausland aktiv war. Das unterscheidet ihn wesentlich von seinen Spielern, deren bekanntester der Torhüter von Real Madrid, Keylor Navas, sein dürfte. Ein großer Teil der Spieler von Ramírez verdient sein Geld in der nordamerikanischen Profiliga Major League Soccer.

Serbien zurück auf großer Bühne

Zum zweiten Mal nach der Auflösung Jugoslawiens hat es die serbische Auswahl zu einer Weltmeisterschaft geschafft. Die Mannschaft wurde von Slavoljub Muslin durch die WM-Qualifikation geführt, die sie in einer Gruppe mit Moldawien, Georgien, Österreich, Wales und Irland bei nur einer Niederlage als Gruppensieger beendete. Trotz der erfolgreichen Qualifikation musste Muslin nach Unstimmigkeiten mit dem Verbandschef Slavisa Kozeka über die Spielweise und die Mannschaftszusammenstellung den Hut nehmen. Zunächst als Interimstrainer übernahm Mladen Krstajić, aus der Bundesliga von seiner Zeit in Bremen und auf Schalke bekannt, das Amt, inzwischen steht fest, dass er diese Aufgabe bis mindestens nach der WM ausfüllen soll. Viel hat Krstajić nicht verändert, abgesehen davon, dass er Lazio-Mann Sergej Milinkovic-Savic wieder für das Mittelfeld aktivieren konnte.

Krstajić kann auf eine Mannschaft mit viel internationaler Erfahrung bauen, in der die ganz großen Namen jedoch fehlen. Zudem ist der Altersdurchschnitt seiner Mannschaft relativ hoch. Bekannteste Akteure aus der Bundesliga sind Filip Kostić (Hamburger SV), Mijat Gaćinović (Eintracht Frankfurt), Matija Nastacić (Schalke 04) und Miloš Gaćinović (Werder Bremen).

Prognose

Großer Favorit in der Gruppe E ist der Rekordweltmeister. Aber hinter Brasilien ist alles möglich. Für Costa Rica wird es schwer, die Leistung der letzten WM zu wiederholen, aber es ist nicht ausgeschlossen, dass die Mittelamerikaner wieder den Sprung in die K.-o.-Runde schaffen. Fest steht: Aus Gruppe E kommt der mögliche Achtelfinalgegner Deutschlands.

[oe]


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