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Gruppe F

Die WM-Veteranen

In einer Statistik ragt die Gruppe F, in der die deutsche Mannschaft ins Turnier startet, heraus. Keine andere Gruppe hat solch geballte WM-Erfahrung aufzuweisen wie diese. Vor dem Turnier in Russland kommen die Teams gemeinsam auf 53 WM-Teilnahmen, im Vergleich dazu stehen die Mannschaften aus Gruppe G mit dem zweihöchsten Wert in diesem Ranking bei 31. Mit Joachim Löw stellt die deutsche Mannschaft auch den Trainer, der nach dem Nationaltrainer Uruguays, Óscar Washington Tabárez am längsten im Amt ist.

Weltmeister als Gruppenfavorit

Nach dem Aus im Halbfinale bei der Europameisterschaft in Frankreich wurde in Deutschland schon vom Ende der Ära Löw gesprochen, doch eine überragende Qualifikation machte deutlich: Alle Nachrufe waren voreilig. „Die Mannschaft“ blieb in zehn Qualifikationsspielen ohne Punktverlust und stellte nebenbei einen neuen Rekord für WM-Qualifikationen in Europa auf. Der Titelgewinn beim Confed-Cup tat dem Ruf der deutschen Elf als Turniermannschaft auch keinen Abbruch. Er gelang mit dem „zweiten Anzug“. Löw konnte es sich leisten, das Vorbereitungsturnier ohne eine Reihe von Stammspielern zu absolvieren, um Akteure wie Julian Brandt und Leon Goretzka unter Wettkampfbedingungen an die erste Mannschaft heranzuführen.

Wichtige Spieler tragen nach dem WM-Sieg in Brasilien aus der Nationalmannschaft zurück, genannt seien unter anderem Miroslav Klose und Philip Lahm. Doch auf andere Stützen des Teams beim Titelgewinn kann Löw weiterhin zurückgreifen. Prunkstück der deutschen Mannschaft ist das Mittelfeld mit einer großen Breite an Spielern, von denen viele ihr Geld bei europäischen Spitzenclubs verdienen. Allen voran Toni Kroos (Real Madrid), Sami Khedira (Juventus Turin), Mesut Özil (FC Arsenal), İlkay Gündoğan und Leroy Sané (beide Manchester City). Letzterer wurde in England gerade zum besten Jungprofi der Liga gekürt.

Mit Thomas Müller steht in der deutschen Auswahl ein Spieler, der Chancen hätte, in der ewigen Torschützenliste des Weltturniers Miroslav Klose an der Spitze abzulösen. Sechs Treffer fehlen dem Offensivspieler der Bayern noch, und die WM in Russland muss ja nicht das letzte Turnier des 28-Jährigen sein.

Noch offen ist die Frage, wer bei der DFB-Auswahl im Tor stehen wird. Manuel Neuer, der in Brasilien als bester Torhüter des Turniers ausgezeichnet wurde, verpasste große Teile der Saison verletzungsbedingt. Er absolvierte nur drei Qualifikationsspiele, während des Rests der WM-Quali sowie beim Confed-Cup setzte Löw auf Marc André ter Stegen (neun Einsätze) und Bernd Leno (drei). Doch im Vorfeld des Turniers äußerte sich Löw optimistisch, während der Weltmeisterschaft wieder auf den Keeper des FC Bayern setzen zu können.

Mehr als nur La ola?

Ohne große Probleme furchte die Mannschaft von Juan Carlos Osorio,des kolumbianischen Trainers von Mexiko, durch das Vorprogramm der WM in Russland. Wie Costa Rica mussten die Mexikaner erst in der vierten Runde in die Qualifikation in der Concacaf-Region einsteigen. Gegen Honduras, Kanada und El Salvador setzte sich „El Tri“ ohne Niederlage durch. In der zweiten Gruppenphase blieb Mexiko bis zum letzten Spieltag ohne Pleite. Mit einer 2:3-Niederlage gegen Honduras, als die WM-Teilnahme bereits feststand, beendete das Team die Qualifikation als Gruppensieger vor Costa Rica.

Dennoch ist Osorio, der die Mannschaft seit 2015 betreut, nicht unumstritten, was vor allem mit Ergebnissen in den großen Spielen zusammenhängt. Die Niederlage beim Confed-Cup gegen Deutschland im Halbfinale (1:4) oder das Aus bei der Copa América Centenario 2016 gegen Chile (0:7) haben Spuren hinterlassen. Zudem wurde Osorio wegen Schiedsrichterbeleidigung beim Spiel um Platz drei beim Confed-Cup gegen Portugal (1:2 n. V.) von der FIFA für sechs Pflichtspiele gesperrt, die Strafe hat er allerdings zwischen verbüßt.

Die Mexikaner dürsten nach einem fünften WM-Spiel in Folge. Seit der WM in den USA 1994 haben sie kein Turnier auf der Weltbühne mehr verpasst und sind in Russland jetzt zum siebten Mal hintereinander dabei. Jedes Mal überstand die Mannschaft die Gruppenphase, doch ebenfalls jedes Mal kam im ersten Spiel der K-.o.-Runde das Turnier-Aus.

Mit Marco Fabián und Carlos Salcedo kann Osorio auf zwei Spieler aus der Bundesliga zurückgreifen (beide Eintracht Frankfurt), bekanntester Akteur von „El Tri“ ist Javier Hernández, besser bekannt unter seinem Künstlernamen „Chicharito“, der durch zwei Spielzeiten in Leverkusen auch aus der Bundesliga bekannt ist und heute bei West Ham spielt. Die ganz großen europäischen Clubs fehlen als Arbeitgeber für mexikanische Spieler, da sie auch in der Heimat gutes Geld verdienen können. Einige Akteure wie Héctor Moreno (Real Sociedad), Kapitän Andrés Guardado (Betis Sevilla), Torhüter Guillermo Ochoa (Standard Lüttich) und Héctor Herrera (FC Porto) gehören bei ihren europäischen Arbeitsgebern jedoch durchaus zu den Stammkräften.

Die Zeit nach Zlatan

Die EM in Frankreich brachte für die Mannschaft aus Schweden einen bedeutenden Umbruch, und zwar auf mehreren Ebenen. Mit Erik Hamrén zog sich der Trainer zurück, der die Blau-Gelben über acht Jahre lange betreut hatte. Und mit Zlatan Ibrahimović erklärte der wohl größte Fußballer, den der schwedische Verband je hervorgebracht hat, seinen Rückzug aus der Nationalmannschaft. Wie nachhaltig dieser Rückzug ist, diese Frage wurde im unmittelbaren Vorfeld der WM wieder aufgeworfen. Ibrahimović wollte nach dem Wechsel zu LA Galaxy eine Reise nach Russland – in welcher Funktion ließ er offen – mit einem Male nicht mehr ausschließen. Die schwedische Sportpresse hatte über Wochen kaum ein anderes Thema, bis der Verband schließlich ein Statement veröffentlichte: und festhielt: Es bleibt bei Zlatans Rückzug vom Nationalteam.

Die Qualifikation bestritt Schweden in einer Gruppe mit Frankreich, den Niederlanden, Bulgarien, Luxemburg und Belarus. Sie beendeten die Gruppenphase auf Platz zwei hinter Frankreich und hätten sich bis zum letzten Spieltag auch direkt qualifizieren können – unter der unwahrscheinlichen Voraussetzung, dass die Franzosen ihr letztes Gruppenspiel gegen Belarus verloren hätten. Mit den Niederlanden blieb gegen die Schweden ein großer Name auf der Strecke. Noch bemerkenswerter ist allerdings die Leistung aus den Play-offs gegen Italien. Den Italienern gelang es nicht, die 0:1-Niederlage aus dem Hinspiel in Stockholm wettzumachen. Die europäischen Playoffs hatten ihre Sensation. Schweden ist einfach kein Glücksbringer für Italien. Die Mannschaft, die sich im Verlauf eines Turniers oft steigerte und immer als Mitfavorit gehandelt wird, verpasste erstmals seit 60 Jahren eine Weltmeisterschaft – wie zuletzt 1958 bei der WM in Schweden. Für die Schweden wiederum endet mit der Teilnahme in Russland eine Durststrecke von 12 Jahren, sowohl vor den Turnieren in Südafrika als auch Brasilien scheiterten sie bereits in der Qualifikation.

Mit Janne Andersson steht nun ein Mann an der Seitenlinie, der nie außerhalb von Schweden gespielt oder trainiert hat. Die Zeiten der Superstars wie Fredrik Ljungberg und Henrik Larsson sind vorüber. Der europäische Hochadel ist als Arbeitsgeber schwedischer Auslandsprofis nicht mehr so häufig vertreten, sieht man einmal von Victor Nilsson Lindelöf ab (Manchester United). Die Spieler verdienen ihr Geld in Dänemark, Schottland und Russland. Mit Emil Forsberg (RB Leipzig) und Oscar Wendt (Borussia Mönchengladbach) ist aber auch die Bundesliga durchaus prominent vertreten. Aus dem erweiterten Umfeld des Nationalteams wären auch Albin Ekdal (Hamburger SV) und Ludwig Augustinsson (Werder Bremen) zu erwähnen.

Das erfolgreichste Team Asiens

Mit Südkorea mischt in Gruppe F auch die Auswahl mit, die Asien häufiger als alle anderen Teams bei einer WM vertreten hat. Seit 1986 sind die Südkoreaner Stammgast beim Weltturnier, in Russland bestreiten sie ihre zehnte WM. Den größten Erfolg feierten die „Tiger von Asien“2002, als sie im Spiel um Platz drei der Türkei unterlagen. Ansonsten kamen sie nur in Südafrika 2010 über die Vorrunde hinaus.

Ähnlich wie in Nord- und Mittelamerika ist auch die Qualifikation in Asien eine aufwendige Angelegenheit. In einer Play-off-Runde spielen zunächst die schwächsten Teams die Teilnahme in der ersten Gruppenphase aus. Südkorea landete in einer Gruppe mit dem Libanon, Kuwait, Myanmar und Laos, blieb ohne Punktverlust und Gegentor und qualifizierte sich als Gruppensieger für die zweite Gruppenphase. Dort wurde in zwei Gruppen zu je sechs Mannschaften gespielt, die Teams auf den ersten beiden Plätzen qualifizierten sich direkt. Südkorea belegte Platz zwei hinter dem Iran und vor Syrien, Usbekistan. China und Katar. Dabei offenbarte die Mannschaft von Shin Tae-yong, der das Team erst für die letzten beiden Qualispiele von Uli Stielike,dessen Assistent er zuvor war, übernommen hatte, überraschende Schwierigkeiten. Erst am letzten Spieltag konnte sich Südkorea mit einem 0:0 in Usbekistan direkt qualifizieren, und das nur, weil Syrien über ein 2:2 im Iran nicht hinauskam.

Die Zeiten, in denen aus europäischer Sicht der einzige Kontakt mit asiatischem Fußball die großen Turniere waren, sind längst vorbei. Südkoreaner haben inzwischen auch in den europäischen Ligen ihre Visitenkarte abgegeben. Die Bundesliga ist im Kader mit Koo Ja-cheol und Ji-Dong-won (beide FC Augsburg) präsent. Die Premier League wird durch Ki Sung-yueng (Swansea City), Lee Chung-yong (Crystal Palace) und vor allem den Star der Mannschaft, Son Heung-min (ehemals Hamburger SV und Bayer Leverkusen, jetzt Tottenham Hotspur), vertreten. Die meisten Spieler Südkoreas verdienen jedoch weiterhin ihr Geld in asiatischen Ligen.

Prognose

Die DFB-Elf ist der klare Favorit auf den Gruppensieg, dahinter ist das Rennen zwischen Schweden und Mexiko ziemlich offen. Südkorea geht nach der schwachen Qualifikation als Außenseiter ins Rennen.

[oe]


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