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Gruppe G

Englands nächster Anlauf

Ist die WM-Qualifikation der Maßstab, kann Gruppe G mit zwei Schwergewichten, einem krassen Außenseiter und einer Mannschaft aufwarten, die sich nach zwei verpassten Weltmeisterschaften wieder mit der Weltelite messen kann. Oder: Belgien, England, Panama und Tunesien. Die Spitznamen haben schon einmal Weltniveau, keine andere Gruppe kann da mithalten: The Three Lions, Les diables rouges, Rode Duivels (Die Roten Teufel), La marea roja (Die Rote Flut) und LesAigles de Carthage (Die Adler von Karthago aus Tunesien) – das verspricht Dramatik.

Die Exoten

Ihren ersten Auftritt überhaupt feiert die panamaische Nationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft. Blättern wir in den Geschichtsbüchern fünf Jahre zurück, standen sie einmal sogar knapp davor. Schauplatz Panama-City, 15. Oktober 2013: Als die Canaleros in der 84. Minute im letzten Gruppenspiel gegen die USA 2:1 in Führung gingen, stießen sie das Tor zu ihrer ersten WM-Teilnahme ganz weit auf. Mit einem Sieg hätten sie sich für die Playoffs gegen Neuseeland qualifiziert. Der Traum endete jäh durch zwei Treffer in der Nachspielzeit für die USA. Der Play-off-Platz ging stattdessen an Mexiko.

Einen ähnlichen Verlauf hätte auch die Qualifikation zur WM in Russland nehmen können. Die Ausgangssituation für Panama war denkbar ungünstig. Erneut kam es zu einem Duell mit den USA, diesmal jedoch indirekt. Panama musste gegen die bereits qualifizierte Mannschaft aus Costa Rica antreten, die bis zu diesem Zeitpunkt lediglich gegen Gruppensieger Mexiko ein Spiel verloren hatte. Die USA traten zu einem Match beim abgeschlagen Letzten, Trinidad & Tobago, an. Den Nordamerikanern hätte schon ein Punkt aus der letzten Partie genügt. Fast auf den Tag genau vier Jahre nach dem bitteren Aus am letzten Spieltag gegen die USA kam es zu einem kleinen Wunder: Während die USA eine 1:2-Niederlage in Couva hinnehmen mussten, schoss Roman Aureliano Torres Morcillo Panama in der 88. Minute zum 2:1-Sieg. Erstmals im elften Anlauf war Panama damit für eine Weltmeisterschaft qualifiziert – direkt und ohne Umweg über die Play-offs, als das nach Island bevölkerungsärmste Land.

Unumstrittener Star der Mannschaft ist Hernán Dario Gómez Jaramillo, genannt El Bolillo (Der Schlagstock), Vater des panamaischen Wunders und Trainer seit 2014. Er verkörpert die geballte internationale Erfahrung. 2015, nachdem er Panama sowohl beim Concacaf Gold Cup als auch bei der Copa Centroamericana auf den dritten Platz führte, wurde er zum Trainer des Jahres des Concacaf, des nord- und zentralamerikanischen und karibischen Verbands, gekürt. In Europa ist Gómez nicht unbedingt bekannt, seine gesamte Karriere als Spieler und Trainer verbrachte er in Süd- und Mittelamerika. Nichtsdestotrotz sind seine Leistungen bemerkenswert: Panama ist bereits das dritte Team nach Kolumbien (1998) und Ecuador(2002), das er zu einer Weltmeisterschaft führt. Er hält damit gemeinsam mit dem Franzosen Henri Michel den Weltrekord.

Die Spieler, die Gómez zur Verfügung stehen, verdienen ihr Geld in der Regel in der Major League Soccer oder in Panama, nur wenige haben den Sprung über den großen Teich geschafft. Wichtigster Akteur im Angriff ist Román Torres (Seattle Sounders), das Hirn der Mannschaft ist Mittelfeldspieler Gabriel Gómez von Atlético Bucaramanga in Kolumbien.

Belgiens Goldene Generation?

Die Qualifikation für Belgien war eine Art Spaziergang unter Wettkampfbedingungen. Die Roten Teufel spielten die beste Qualifikation einer belgischen Nationalmannschaft aller Zeiten, blieben ungeschlagen, schossen 43 Tore, so viele wie sonst nur die DFB-Auswahl, und gaben im Verlaufe der Gruppenspiele nur einen Punkt gegen Griechenland ab. Tatsächlich spielte nur die Mannschaft von Joachim Löw eine bessere Qualifikation in Europa als Belgien.

Coach der Belgier ist der Spanier Roberto Martínez Montoliú, der 2016 die Nachfolge von Marc Wilmots antrat und die Mannschaft durch die Qualifikation führte. Als Trainer war er vorher bei Swansea, Wigan und Everton tätig. Bei der WM in Russland kann Martinez auf viele Spieler zurückgreifen, die ihr Geld in den besten Ligen der Welt verdienen. So ist die Bundesliga mit Koen Casteels und Divock Origi (beide VfL Wolfsburg), Thorgan Hazard (Borussia Mönchengladbach) und Michy Batshuayi (Chelsea/Borussia Dortmund) vertreten. Letzterer hatte sich zwar während des Ligaausklangs verletzt, wird für die Weltmeisterschaft aber aller Voraussicht nach wieder zur Verfügung stehen.

Das Mittelfeld mit Kevin de Bruyne (Man City), Eden Hazard (FC Chelsea), Mousa Dembélé (Tottenham Hotspur) und Radja Nainggolan (AS Rom) gehört mit zum Besten, was die Weltmeisterschaft zu bieten hat, auch wenn sich Belgien mit sehr tiefstehenden Teams mitunter schwer tun kann. Dazu kommt eine eingespielte Abwehr mit dem Innenverteidigerduo von Tottenham, Toby Alderweireld und Jan Verthongen, verstärkt durch Man Citys Vincent Kompany und die beiden Außenverteidiger Thomas Meunier (Paris Saint-Germain) und Jordan Lukaku (Lazio Rom). Alleine die Namen der Heimvereine verraten, dass Belgien mit viel Qualität in Russland auflaufen wird. Alles andere als ein Erreichen der K.-o.-Runde wäre eine sportliche Katastrophe mit dieser Mannschaft.

Traum von der K.-o.-Runde

Bereits zum fünften Mal nimmt Tunesien an einer Weltmeisterschaft teil, über die Gruppenphase hinaus haben es die Nordafrikaner aber noch nie geschafft. In die Afrika-Qualifikation stieg Tunesien in der zweiten Vorrunde ein, nach zwei Siegen gegen Mauretanien trafen die Adler von Karthago in der Gruppenphase auf die Demokratische Republik Kongo, Libyen und Guinea. In sechs Qualifikationsspielen blieb die Mannschaft von Nabil Maaloul, neben dem Senegalesen Aliou Cissé der einzige Trainer aus Afrika beim Turnier, ungeschlagen. Sie gewann die Gruppe knapp vor der DR Kongo und konnte sich so direkt für Russland qualifizieren. Maaloul übernahm das Amt 2017 von dem Polen Henryk Kasperczak, der Tunesien noch während der ersten beiden Partien betreut hatte. Kasperczak musste seinen Hut nach dem Viertelfinalaus im Afrika-Cup gegen Burkina Faso nehmen. Die Bilanz Tunesiens bei Weltmeisterschaften ist keine sonderlich erfolgreiche. Der einzige WM-Sieg gelang im Auftaktmatch gegen Mexiko bei der WM in Argentinien. Und das ist mittlerweile 40 Jahre her.

Die meisten Spieler Maalouls sind in Tunesien oder Frankreich aktiv. Viele sind auch in Frankreich geboren. Maaloul stützt sich gerne auf einen großen Block von Spielern des 28-maligen tunesischen Meisters Espérance Sportive des Tunis. Einige der Nationalspieler haben aber auch Europaerfahrung wie beispielsweise Naim Sliti (Dijon FCO) und Wahbi Khazri (Stade Rennes). Auf seinen wichtigsten Kreativspieler, Youssef Msakni (Al-Duhail, Katar), muss Maaloul wegen einer Kreuzbandverletzung verzichten. „Tunesien ohne Msakni“, erklärte Maaloul die Wichtigkeit des verletzten Angreifers, „ist wie Argentinien ohne Messi.“ Neben den beiden großen europäischen Teams aus England und Belgien kann Tunesien in Gruppe G nur eine Außenseiterrolle für sich beanspruchen.

Die Löwen sind wieder los

Mit sehr guten Ergebnissen im Rücken startet England ins Turnier in Russland. Nach einer fast makellosen Qualifikation in einer Gruppe mit der Slowakei, Schottland, Slowenen, Litauen und Malta, während der die Three Lions lediglich bei Remis gegen Slowenien und Schottland Punkte einbüßten, sicherte sich England als souveräner Gruppensieger die 15. WM-Teilnahme seiner Geschichte. Die Mannschaft von Gareth Southgate, der England nach dem ersten Qualifikationsspiel von Sam Allardyce übernahm und zunächst nur als Zwischenlösung gedacht war, hat einiges wieder gutzumachen. Bei der WM in Brasilien verpassten sie erstmals nach 56 Jahren die K.-o.-Phase. Bei der Europameisterschaft in Frankreich zwei Jahre später scheiterten sie im Achtelfinale an Außenseiter Island.

Reisestress hat Southgate beim Scouting seiner Spieler so wenig wie kaum ein anderer Nationaltrainer auf der Welt, sieht man vielleicht von Desi Cury ab, der zur Zeit Gibraltar trainiert. Die meisten Spieler spielen entweder in London (Tottenham Hotspur) oder sind für den FC Liverpool aktiv, dazu kommt der eine oder andere Spieler aus Manchester. Fast alle haben in dieser Saison Champions-League- oder zumindest Europa-League-Erfahrung sammeln können. Einen herben Verlust für das englische Mittelfeld bedeutete die schwer Verletzung von Alex Oxlade-Chamberlaine (Liverpool), der für die WM nicht zur Verfügung stehen wird. Viel wird von der Abschlussstärke eines Harry Kane (Tottenham) oder Jamie Vardy (Leicester) abhängen. Southgate hat seine Mannschaft drastisch verjüngt und unter anderem Wayne Rooney ausgemustert.

Prognose

Belgien startet in Gruppe G als Favorit, mit ihrem imponierenden Mittelfeld sind sie stärker einzuschätzen als England. Für Tunesien und Panama wird es ein Rennen um den dritten Platz zu werden. Eingedenk der Tatsache, dass Panama in der Qualifikation ein so erfahrenes Team wie die USA ausschalten konnte, sollte man die Debütanten aber nicht unterschätzen.


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