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Gruppe H: Die Weltmeisterlose

Gruppe H strahlt nicht gerade den allergrößten Glamour aus, woran liegt das? Die Antwort ist ganz einfach: Es handelt sich um die einzige Gruppe, in der kein ehemaliger Weltmeister an den Start geht. Beteiligt sind hier zwei Mannschaften ganz ohne Kontinentaltitel, ein doppelter Gewinner der Copa America sowie ein vierfacher Asienmeister, oder: Japan, Kolumbien, Polen und Senegal. Das beste Ergebnis auf der Weltbühne hat Polen aufzuweisen, das zweimal bei einer WM auf Platz drei abschloss und 1972 immerhin Olympiasieger wurde. Zusammen kommen die Teams auf 19 Weltmeisterschaftsteilnahmen, zum Vergleich noch einmal die deutsche Gruppe: Dort stehen 54 WM-Teilnahmen zu Buche!

Polen hofft aus Lewandowski

Nach zwei verpassten Turnieren konnte sich die Adler aus Polen endlich wieder für eine Weltmeisterschaft qualifizieren, und das sogar ziemlich souverän. In einer Gruppe mit Dänemark, Montenegro, Rumänien, Armenien und Kasachstan gaben sie nur bei der Niederlage in Dänemark (0:4) und einem Remis in Kasachstan (1:1) Punkte ab. Über die Vorrunde hinaus kam Polen allerdings das letzte Mal bei der WM in Mexiko 1986.

Die Mannschaft wird von Adam Nawałka betreut, der 2013 das Amt des Nationaltrainers übernahm. Davor war er als Trainer wie als Spieler nur in Polen aktiv. Nawałkalöste Waldemar Fornalik ab, unmittelbar nachdem der mit Polen die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Brasilien verpasst hatte.

Die Erfolge seitdem können sich sehen lassen. Unter Nawałka erreichte Polen erstmals ein Viertelfinale bei einer EM, und er stand auch am Spielfeldrand, als dem Team im Oktober 2014 in der EM-Qualifikation erstmals überhaupt in seiner Geschichte ein Sieg gegen die DFB-Auswahl gelang.

Einen großen Anteil an der Qualifikation für die WM in Russland hatte Nawałkas einziger wirklicher Superstar in der Mannschaft, Bayern-Angreifer Robert Lewandowski. Er erzielte 16 der 28 Treffer, die Polen im Verlaufe der Qualifikation gelangen. Lewandowski ist nicht der einzige gute Spieler, den Nawałka zur Verfügung hat, aber der Rekordtorschütze im Nationaldress ist der einzige, der nicht ersetzbar ist. Die wichtigsten Akteure sind im Ausland tätig, viele waren schon bei der Europameisterschaft in Frankreich mit dabei. Mit Wojciech Szczěsny (Juventus Turin) steht Polen ein herausragender Torhüter zur Verfügung, Abwehrchef Kamil Glik, der auch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, spielt in Frankreich (AS Monaco), aus Neapel kommt Stürmer Arkadiusz Milik, aus der Bundesliga sind noch Łukasz Piszczek (Borussia Dortmund) oder Jakub Błaszczykowski (VfL Wolfsburg) vertraut. Zentrale Figur im Mittelfeld ist der Paris Saint-Germain unter Vertrag stehende Grzegorz Krychowiak, der in dieser Saison auf Leihbasis für West Bromwich Albion aktiv war.

Die Löwen von Teranga

Oft war der Senegal bei einer WM noch nicht vertreten, genau genommen erst einmal vor der Weltmeisterschaft in Russland. Aber die Afrikaner hinterließen bei ihrer bisher einzigen Teilnahme durchaus einen bleibenden Eindruck. Denn ihnen gelang Historisches. Der Senegal ist das letzte Team, gegen das bei einer WM ein Golden Goal (22.06.2002) erzielt wurde. Dieses Golden Goal markierte das Ende eines höchst beeindruckenden Premierenauftritts auf der Weltbühne. Erst im Viertelfinale gegen die Türkei (0:1) war Schluss. Der Senegal hat bei einer WM noch nie in regulärer Spielzeit verloren. Wichtiger für das Land dürfte der damalige 1:0-Auftaktsieg gegen die frühere Kolonialmacht Frankreich gewesen sein.

Damals auf dem Rasen als Mannschaftskapitän dabei war der heutige Trainer des Senegals, Aliou Cissé. Weltmeisterschaften sind für ihn also vertrautes Terrain. Er löste 2015 den Franzosen Alain Giresse ab. Mit dem europäischen Fußball ist der ehemaliger defensive Mittelfeldspieler wohlvertraut, den größten Teil seiner aktiven Karriere, mit einem Abstecher nach England, war er in Frankreich aktiv. Die Qualifikation spielte der Senegal in einer Gruppe mit Burkina Faso, Kap Verde und Südafrika aus, ungeschlagen bei zwei Remis gewann Cissés Mannschaft diese Gruppe souverän und konnte sich bereits vor dem letzten Spieltag das Ticket nach Russland sichern.

Wie auch Gruppengegner Polen verfügt der Senegal über einen absoluten Superstar, wie auch bei den Polen ist dieser Star im Angriff zu finden. Gemeint ist Sadio Mané, der bei Jürgen Klopps FC Liverpool zusammen mit Mohammed Salah und Roberto Firmino das famose Sturmtrio bildet, dass bei den Reds-Fans unter dem Namen „The Fab Three“ bekannt ist.

Die meisten Spieler Senegals sind in Frankreich aktiv, viele auch dort geboren. Einziger Bundesligaspieler im erweiterten Kader ist der Hannoveraner Salif Sané. Sieht man von Mané und Kalidou Koulibaly (SSC Neapel) ab, fehlen unter den Arbeitsgebern der senegalesischen Spieler die ganz großen europäischen Clubs.

Qualifikation am letzten Tag

Bei der WM in Brasilien gehörten die Kolumbianer, die zuvor drei Weltmeisterschaften verpasst hatten, zu den großen Überraschungsteams des Turniers. Mit drei Siegen setzten sie sich souverän in der Gruppenphase durch, warfen im Achtelfinale Uruguay mit 2:0 aus dem Wettbewerb, ehe sie im Viertelfinale unglücklich 1:2 an Brasilien scheiterten.. Die WM in Brasilien war bisher die erfolgreichste des kolumbianischen Verbandes. In Erinnerung geblieben ist das Viertelfinale gegen Brasilien auch durch die schwere Verletzung Neymars, die diesen die Teilnahme am Halbfinale gegen Deutschland kostete.

Kolumbien hat eine ausgesprochen schwierige Qualifikation hinter sich. Vor dem letzten Spieltag in Südamerika kämpfen noch sechs Mannschaften um drei WM-Tickets sowie den Play-off-Platz, der zu einem Duell mit dem Gewinner der Ozeaniengruppe berechtigte. Als Viertplatzierter musste Kolumbien beim Fünften aus Peru antreten. Am Ende reichte Kolumbien ein 1:1-Remis in Lima für die direkte Qualifikation, Peru spielte im Play-off. José Pekerman, der die Kolumbianer seit 2012 betreut, meinte dazu: „Wir haben noch nie eine Situation erlebt, wo so wenig Punkte so viele Teams voneinander trennten.“ Quasi wie die zweite Bundesliga.

Mit Polen und Senegal hat die südamerikanische Mannschaft einen großen, gemeinsamen Nenner. Der Star der Mannschaft ist ein Offensivspieler. In diesem Fall ist das der bei den Bayern aktive James Rodriguez, dessen Stern bei der Weltmeisterschaft in Brasilien aufging und der dort Torschützenkönig des Turniers wurde.

Pekerman ist zum zweiten Mal als Trainer bei einer Weltmeisterschaft aktiv, bei der WM in Deutschland führte er Argentinien bis ins Viertelfinale, wo die Albiceleste im Elfmeterschießen an Deutschland scheiterten. Ein kleines Problem für Pekerman könnte sein, dass einige seiner wichtigsten Spieler bei ihren Heimatclubs nicht unbedingt die erste Geige spielen: Stammgoalie David Ospina steht bei Arsenal hinter Petr Cech, sein Kapitän Radamel Falcao hat mit 32 Jahren schon ein hohes Fußballalter erreicht, auch er ist bei seinem Klub in Monaco kein Stammspieler. Pekerman setzt auf eine Mischung von Spielern, die in Europa und Südamerika aktiv sind. Mit Außenverteidiger Davinson Sánchez von Tottenham Hotspur verfügt er aber nur über einen Spieler neben Rodriguez und Falcao, der bei einem Spitzenclub unter Vertrag ist.

Die beste Mannschaft Asiens

Der asiatische Rekordmeister aus Japan ist zum sechsten Mal in Folge bei einer Weltmeisterschaft dabei. Spielten sie vor der WM in Frankreich 1998 international keine große Rolle, sind die blauen Samurai beim Weltturnier mittlerweile Dauergast. Die ganz großen Erfolge blieben bisher verwehrt, in Brasilien schieden sie nach der Gruppenphase sieglos aus. Vier Jahre zuvor war im Achtelfinale gegen Paraguay Schluss, das damalige Aus im Elfmeterschießen war bisher der größte Erfolg bei einer Weltmeisterschaft für die japanische Elf. Das Achtelfinale erreichte das Team auch 2002 bei der halben Heim-WM.

Von allen Trainern bei dieser WM kann Akira Nishino auf die kürzeste Amtszeit zurückblicken, er steht nämlich erst seit April dieses Jahres am Ruder der besten asiatischen Fußballnationalmannschaft. Unmittelbar vor der Weltmeisterschaft trennte sich Japan von Vahid Halilhodzic, der die Mannschaft seit 2015 betreut hatte und durch die WM-Qualifikation führte. Nishino, der bis dahin das Amt des technischen Direktors innehatte, musste übernehmen. Halilhodzic verantwortete einen Stilwandel des Fußballs der Nationalmannschaft, weg vom Ballbesitz hin zu schnellem Konterspiel. Zwei der bekanntesten Spieler Japans, Keisuke Honda (CF Pachucu, Mexiko) und Shinji Kagawa (Borussia Dortmund) blieben dabei auf der Strecke. Nach zuletzt schwachen Resultaten in Testspielen (1:1 gegen Mali, 1:2 gegen die Ukraine) zog man im japanischen Verband schließlich die Reißleine.

In der ersten Phase der asiatischen Qualifikation in einer Gruppe mit Syrien, Singapur, Afghanistan und Kambodscha blieb Japan ungeschlagen und ohne Gegentreffer. In der zweiten Gruppenphase spielte Japan gegen Saudi-Arabien, Australien, die Vereinigten Arabischen Emiraten, Thailand und den Irak. Die WM-Teilnahme sicherte sich die Mannschaft von Halilhodzic einen Spieltag vor Ende der Qualifikation – die Niederlage im letzten Gruppenspiel gegen Saudi-Arabien machte den Weg für die Saudis nach Russland frei.

Viele Spieler der japanischen Nationalmannschaft spielen in Japan und sind in Europa weniger bekannt, doch einige sind auch in der Bundesliga aktiv wie der bereits angeführte Kagawa, Yoshinori Muto (FSV Mainz 05), Gotoku Sakai (Hamburger SV), Makoto Hasebe (Eintracht Frankfurt), Yuya Osako (1 FC Köln) oder haben wie Hiroshi Kiyotake (Nürnberg, Hannover) und Shinji Okazaki (Stuttgart, Mainz) schon mal in Deutschland gespielt.

Prognose

Die Gruppe H ist schwer einzuschätzen und könnte auf den ersten Blick eine der ausgeglichensten bei diesem Turnier sein. Wirkliche Außenseiter gibt es nicht, mit Polen einen leichten Favoriten.

[oe]


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